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Gelesen im Literaturkreis: „Das Treffen in Telgte“ von Günter Grass

An dem Tag, an dem Günter Grass gestorben ist, fand gerade der Literaturkreis statt. Da haben wir entschieden, ein Buch von ihm zu lesen. Bei der Auswahl haben wir uns daran orientiert, dass es nicht zu umfangreich sein darf (das ist immer ein Kriterium). Damit schieden viele seiner Bücher aus und so sind wir beim Treffe in Telgte gelandet.

Grass hat bei diesem Buch mit einem Trick gearbeitet. Denn eigentlich handelt es von der „Gruppe 47“, einer Zusammenkunft zeitgenössischer Schriftsteller, Literaturkritiker und Verleger, die 1947 gegründet wurde und bis 1967 existierte. Sie trafen sich zumeist zweimal im Jahr, lasen sich aus unveröffentlichten Manuskripten vor und debattierten darüber. Von einem dieser Treffen handelt das Buch.

Allerdings lässt Grass es nicht in der Jetztzeit spielen, sondern 1647. Seine Protagonisten sind allesamt Schriftsteller, die damals tatsächlich gelebt haben. Er hat die immense Fleißarbeit geleistet, sich für jeden Teilnehmer der Gruppe 47 eine passende Persönlichkeit auszusuchen, die 300 Jahre zuvor gelebt hat.

Einige Protagonisten sind tatsächlich unschwer wieder zu erkennen. Da ist zunächst der Gründer der Gruppe 47, Hans Werner Richter, dem Grass das Treffen in Telgte zum 70. Geburtstag gewidmet hat. Aber auch Heinrich Böll, Marcel Reich-Ranicki und Rudolf Augstein sind erkennbar.

Es spricht für die Qualitäten des Schriftstellers, diese Fülle an Recherchen gekonnt in Romanform zu bringe. Inhaltlich ist das aus heutiger Sicht nicht so Interessant, fanden wir. Aber der Stil, in dem das Buch geschrieben ist, ist sehr schön.

Elisabeth Dietz, Literaturkreis