Archiv der Kategorie: Biographie

Wir erinnern uns …

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Wer kennt ihn nicht, Sean Connery als kriminalistisch begabter Mönch William von Baskerville, der 1327 in einem Benediktinerkloster einige mysteriöse Todesfälle aufklären soll?
Die Buchvorlage zu dem Film „Der Name der Rose“ stammt von Umberto Eco.
Der Schriftsteller, Kolumnist, Philosoph und Medienwissenschaftler wurde 1932 in Italien geboren. Neben seinen Romanen hat er auch zahlreiche kulturkritische und philosophische Sachbücher geschrieben sowie einige Kinderbücher.
Gestern starb Umberto Eco im Alter von 84 Jahren in Mailand an den Folgen einer Krebserkrankung.

Kenzaburo Oe – Stille Tage

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Wegen einer Schreibblockade – hervorgerufen durch eine Krise – verreist der Vater nach Amerika. Früher verreiste er immer alleine, aber da diese Krise größer scheint wird er von der Mutter begleitet. So sieht sich die junge Ma-chan der Aufgabe gegenüber sich alleine um ihre Brüder zu kümmern. Den jüngeren O-chan, der gerade mitten in den Prüfungsvorberei-tungen steckt und den älteren, geistig behinderten I-Ah. Während O-chan relativ gut alleine zurecht kommt, fallen Ma-chan durch I-Ah mehrere Aufgaben zu. So muss sie sich während seiner möglichen epileptischen Anfälle um ihn kümmern; ihn nachts wecken, damit er nicht ins Bett macht, begleitet ihn in die Behindertenwerkstatt, zum Frisör oder zu Herrn Shigeto, I-Ahs Musiklehrer. Doch es geschieht noch mehr in der Abwesenheit der Eltern.

Wie in vielen seiner Werke lässt Kenzaburo Oe auch in diesem die Grenzen von Autobiographie und Fiktion verschwimmen. So hat er z. B. tatsächlich einen behinderten Sohn und zwei „normale“ Kinder. Thematisch wird das Leben, Lieben und Leiden einer jungen Frau zu ihrer Familie, vor allem aber zu ihrem geistig behinderten älteren Bruders geschildert. Hoffnungsvoll erscheint die Figur des I-Ah: sie zeigt, dass man trotz körperlicher oder geistiger Behinderung/Einschränkung ein schönes Leben  führen kann. Eher tragisch erscheint – wenn auch nur kurz oder durch Rückblenden – die Figur des Vaters. Zwar wird darauf hingewiesen, dass er I-Ah mehr als seine anderen Kinder liebt, doch scheint er mit der Situation manchmal nicht klar zu kommen. Sehr lesenswert!

von A. Helling

Des weiteren von Kenzaburo Oe in der Soester Stadtbücherei ausleihbar: „Verwandte des Lebens“ und „Die Brüder Nedokoro“.

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Ponijao wird in der Nähe von Opuwo, Namibia geboren. In Tokio, Japan erblickt die kleine Mari das Licht der Welt. Bayar wächst in der Weite der Steppen von Bayandchandmani, Mongolei auf. In San Francisco, USA lebt die kleine Hatti. Unterschiedliche Orte, unterschiedliche Kulturen, doch Babys sind doch überall gleich.

Mit schönen, intimen, traurigen und lustigen Bildern wird der Alltag der Eltern und der Babys vor und nach der Schwangerschaft, bis hin zum Kleinkindalter gezeigt. Ein Film zum Schmunzeln. Der aber auch zeigt, dass wir doch alle nicht so verschieden sind.

von A. Helling

Aono Soh – Mutter wo bist du

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Ein Schriftsteller sitzt am Grab seiner Mutter, die er niemals kennengelernt hat. Zumindest nicht so, dass er sich an sie erinnern könnte. Sie starb, als er noch ein kleines Kind von zwei Jahren war. Nun, an eben jenem Grab, redet er mit seiner Mutter. Erzählt, was er von seinen Geschwistern über die Vergangenheit erfahren hat. Versucht zu ergründen, welche Erinnerungen der Wahrheit entsprechen. Er erzählt ihr auch von sich, seiner Familie. Von Alltagsdingen, Erlebnissen, Unternehmungen und seinen Auslandsaufenthalten. Versucht herauszufinden, wie es gewesen wäre, wenn seine Mutter da gewesen wäre. Ihre Gefühle, bezogen auf seinen Umgang mit der Stiefmutter. Er erzählt ihr auch von den Schwierigkeiten mit seinen Sohn. Das er manchmal nicht weiß, wie er mit dem Jungen umgehen soll, wenn dieser zu Besuch ist.

Wie ist es keine Erinnerungen an die eigene Mutter zu haben? Wie geht man mit gescheiterten Beziehungen um? Wie baut man auf diesem Fundament seine eigene Familie auf? Kann man sich am Grab sprechend ein Bild der Unbekannten machen? Ihre Gefühle begreifen? Wo sie ist? Wohin geht man, wenn man stirbt? Diesen und anderen Fragen widmet sich Aono Soh in seiner autobiographischen Geschichte. Zwischen den Zeilen ist dieser Roman immer wieder auch eine Gesellschaftsanklage. Überlegungen über die Abhängigkeit Japans von Atomkraftwerken, deren Sicherheit, was wäre wenn in Fukushima oder sonst wo etwas passiert (Womit er leider Recht behalten sollte – das Buch ist in Japan 1991 erschienen). Oder die Figur des Indianers, der den Verlust der Spiritualität beklagt. Ebenfalls erwähnt wird der verschwenderische Umgang mit den Ölreserven.

von A. Helling

Keiji Nakazawa – Barfuss durch Hiroshima (1 – 4)

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Der junge Gen wächst mit seinen drei Geschwistern und den beiden Eltern in den schweren Zeiten des zweiten Weltkrieges auf. Fast täglich gibt es Luftangriffsalarm. Der Vater wird vom Militär ausgebildet, der große Bruder wurde eingezogen. Da der Vater nicht am Krieg teilhaben will, wird die Familie verspottet, was gerade für die Kinder schwer ist. Die Atombombe trifft alle unvorbereitet. Die, die Glück haben sterben sofort. Andere erleiden schwerste Verbrennungen. Die Haut fällt ihnen teilweise ab, wenn sie nicht sogar in Flammen stehen. Gen hat noch mehr Glück. Er wurde von einer Mauer gedeckt. In Panik rennt er zu seinem Elternhaus. Dort muss er mit Entsetzen feststellen, dass seine Familie unter dem Haus eingeklemmt ist. Unter der Anweisung seines Vaters befreit er die schwangere Mutter und muss dann mit ansehen, wie sein kleiner Bruder, seine Schwester und der Vater bei lebendigem Leibe verbrennen. Von Trauer und Verzweiflung benebelt, versuchen Gen und seine Mutter irgendwie zu überleben. Auf dem Weg zu entfernten Verwandten, die auf dem Land leben, müssen die beiden feststellen, dass jeder nur für sich verantwortlich ist und keiner keinem hilft.

Mit teilweise schrecklichen Bildern, aber auch hoffnungsvollen Episoden schildert Keiji Nakazawa seine Erlebnisse in Hiroshima vor, während und nach dem Atombombenabwurf. Eine ergreifende Geschichte, die keinen kalt lässt.

von A. Helling

„Don’t worry, be german“ von John Doyle

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Ein Ami wird deutsch!

John Doyle beschreibt im seinem unterhaltsamen Buch seine Erlebnisse mit uns Deutschen. Jedes Kapitel trägt eine Eigenschaft, z.B. „Genauigkeit“ als Überschrift oder alltägliche Dinge wie „Essen“. Natürlich immer zweisprachig, also Essen/Food. Aber Doyle deckt nicht nur die Unterschiede zwischen den Amerikaner und den Deutschen auf, sondern zeigt auch, wie ähnlich man sich im Grunde ist. Seit seiner Einreise hat er einige kuriose Dinge erlebt und beschreibt sie auf eine wirklich urkomische Art und Weise, ohne, dass man sich angegriffen fühlt oder vorgeführt vorkommt. Oftmals muss man sogar schmunzeln, wenn er Ausdrücke oder Gepflogenheiten der Deutschen ins Rampenlicht stellt, denn man erkennt sich selbst oder seine Mitmenschen eben doch wieder.

Doyles Buch öffnet einem die Augen für einen anderen Blick auf Deutschland. Schließlich ist auch in den USA nicht alles „great“. Außerdem kommt er durch seine vorurteilsfreie Art zu Erkenntnissen, die uns verwehrt bleiben. Wir selbst sind da eben „betriebsblind“ geworden.

Ein herrlicher Lesespaß! Man kann es nur empfehlen!

Tipp von Fee

Doyle, John:

Don’t worry, be german

Frankfurt am Main: Scherz, 2010

282 S.