Gelesen im Literaturkreis: „Im Meer schwimmen Krokodile“ von Fabio Geda

Wie verzweifelt muss eine Mutter sein, die ihren 10-jährigen Jungen unter dem Tschador von Afghanistan nach Pakistan schmuggelt? Sie sieht das als einzige Rettung, denn die Taliban drohen damit, den Jungen als Sklaven zu nehmen.

In Pakistan überlässt sie den Jungen seinem Schicksal, weil er zwar eine ungewisse Zukunft habe, aber nicht ständig in Angst und Gefahr leben müsse.

Er arbeitet als Straßenverkäufer, beschließt nach einigen Jahren, in den Iran zu gehen. Dort wird er erwischt und nach Afghanistan abgeschoben. Sofort findet er wieder Schleuser, die ihn in den Iran zurückbringen. Er arbeitet auf dem Bau, den Lohn kassieren die Schleuser. Im Alter von ungefähr 16 Jahren hat der Junge genug Geld um Schleuser zu bezahlen, die ihn in einem zweimonatigen Fußmarsch durchs Hochgebirge in die Türkei bringen. Von dort kommt er mit dem Boot nach Italien.

Insgesamt acht Jahre dauert die Flucht. Als er seine Geschichte einem Journalisten erzählt, entsteht dieses Buch. Der Titel ist durch die Angst des Jungen zu erklären. Er und die anderen, die mit ihm im Schlauchboot fuhren, wussten nicht, ob es im Mittelmeer Krokodile gibt.

Stilistisch ist das Buch nichts besonderes, trotzdem muss es meiner Meinung nach jeder lesen. Das Grauen des 10-Jährigen, als er ohne Mutter aufwacht, all die entsetzlichen Erlebnisse und die vielen Toten, die er auf seiner Odyssee sieht, machen das Trauma begreifbarer, das die Flüchtlinge von heute erleben. Die Flucht dieses Jungen begann 2001 und deckt sich mit den Berichten der Flüchtlinge von heute. In all den Jahren hat sich nichts geändert!

Elisabeth Dietz, Literaturkreis

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