Archiv für den Monat Oktober 2014

Nächster Literaturkreis am 10.11.2014 um 18:00 Uhr

Der nächste Literaturkreis ist am 10.11.2014 um 18 Uhr. Wir lesen von Sofi Oksanen: Fegefeuer

Fegefeuer : Roman / Sofi Oksanen. Aus dem Finn. von Angela Plöger
Genehmigte Taschenbuchausg.
München : btb, 2012
395 S. : Ill.
btb ; 74212
978-3-442-74212-7 kart. : EUR 9.99

Elisabeth Dietz, Literaturkreis

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Gelesen im Literaturkreis: „Auf Heineken könn wir uns eineken“ von Kerstin Schweighöfer

Heineken

Vor 20 Jahren hat die Liebe die Journalistin Kerstin Schweighöfer in die Niederlande verschlagen. Ihre persönliche Geschichte ist der rote Faden des Buches. Meisterhaft verknüpft sie dabei persönliches mit niederländischen Sitten und Gebräuchen, Geschichte, politischen Befindlichkeiten und Entwicklungen, erklärt die tiefe Ablehnung, die es immer noch gegen Deutsche gibt. Und bringt den Leser damit immer wieder zum Staunen. Denn eigentlich wissen wir doch alles über die Holländer …

Locker und weltoffen, friedlich und tolerant gegenüber Immigranten, Homosexuellen, Sterbehilfe und Haschischkonsum – so das Klischee und das Selbstbild der Holländer. Doch seit der Jahrtausendwende hat sich das geändert. Auslöser dafür waren unter anderem 1995 das Massaker von Srebrenica, das direkt nach dem Abzug der Niederländer aus diesem Gebiet stattfand. Das kam einer nationalen Katastrophe gleich. Und die Morde an Pim Fortuyn 2002 und Theo van Gogh 2004 erschütterten das Selbstverständnis der Holländer zutiefst. Statt Toleranz machten sich plötzlich Engstirnigkeit und Ausländerhass breit. Inzwischen hat sich alles wieder eingependelt, gibt es ein neues Selbstverständnis.

Auch wenn es sich so anhört, als seien es trockene Themen, so ist die Lektüre keineswegs trocken oder langweilig. Wer wusste schon, dass es absolut unhöflich ist, einen zweiten Keks oder ein zweites Stück Kuchen zu nehmen? Abwechslungsreich und leicht verständlich erhält der Leser tiefe Einblicke in das Wesen der Niederländer und die gesellschaftlichen Entwicklungen der Niederlande.

Elisabeth Dietz, Literaturkreis

Auf Heineken könn wir uns eineken : mein fabelhaftes Leben zwischen Kiffern und Kalvinisten / Kerstin Schweighöfer
München ; Zürich : Piper, 2012
351 S. ; 19 cm
Piper ; 7292
978-3-492-27292-6 kart. : EUR 9.99

Gelesen im Literaturkreis: „Schlafes Bruder“ von Robert Schneider

Schlafes Bruder

Anfang des 19. Jahrhunderts wird Elias in einem kleinen Bergdorf in Vorarlberg geboren. Die ersten Jahre verbringt er eingesperrt in seinem Zimmer. Mit seiner musikalischen Begabung, seiner Intelligenz und seinem für die Dorfbewohner eigenartigen Verhalten wird er zum Sonderling abgestempelt. Später lernt er Orgel spielen und spielt sonntags in der Kirche. Sein außerordentliches Spiel wird von den Dorfbewohnern aber nicht als solches erkannt.

Erst als ihn zufällig der Feldberger Domorganist hört, lädt der ihn ein, am Feldberger Orgelfest teilzunehmen. Elias improvisiert dort über den Choral „Komm, o Tod, du Schlafes Bruder“. Und erhält die Anerkennung, die ihm bisher versagt wurde. Auf dem Rückweg beschließt er zu sterben, weil Elsbeth, die Frau, die er liebt, einen anderen heiraten soll. Sein Freund Peter begräbt ihn.

Es ist es eigentlich ein brutales und trauriges Buch, in dem das schwierige Leben der Dorfbewohner und ihrer Kinder dargestellt wird. Inzucht, Misshandlung, Intrigen, Begierden und Bedürfnisse sind die Basis auf der sich das Leben der Dorfbewohner abspielt. Der Hauptdarsteller selbst bewegt sich unserer Ansicht nach zwischen Genie und Wahnsinn, ist psychisch krank.

Neben der inhaltlich schweren Kost, ist das Buch auch nicht einfach zu lesen, da der Text aus langen geschachtelten Sätzen besteht. Zwar ist es 1992 erschienen, enthält aber viele Wörter, die heute weder in Österreich (der Autor ist Österreicher) noch in Deutschland gebräuchlich sind. Vielleicht will der Autor so die Zeit andeuten, in der die Handlung spielt (ca. 1803 bis 1825). Aber auch das trägt nicht gerade zu einem leichten Lesevergnügen bei.

Elisabeth Dietz, Literaturkreis

Schlafes Bruder : Roman / Robert Schneider
Stuttgart : Reclam, 2007
204 S. ; 19 cm
Reclam-Taschenbuch ; 20743
978-3-15-020743-7 kart. : EUR 8.95

Gelesen im Literaturkreis: „Fliehkräfte“ von Stephan Thome

Fliehkräfte

Hartmut Hainbach ist Ende fünfzig, Professor für Philosophie in Bonn. Er ist einsam und unglücklich. Seine Tochter studiert in Spanien und seine Frau lebt seit einiger Zeit in Berlin. Da er sie immer noch liebt, hält er die wochenlangen Trennungen nur schlecht aus. Als er das Angebot bekommt, in einen Berliner Verlag zu wechseln, stürzt ihn das in große Turbulenzen.

Um eine Entscheidung zu fällen bzw. Antwort auf die Frage zu finden, ob er sein Leben ändern soll, begibt er sich auf eine Reise. Zuerst nach Paris zu einer früheren Geliebten, dann an die Atlantikküste zu einem ehemaligen Kollegen und schließlich nach Santiago de Compostela. Dort trifft er Frau und Tochter. Das Buch endet damit, dass er im Meer schwimmen geht. Eine solche Szene gab es bereits zuvor, der Leser weiß also, dass Hainbach ein geübter Schwimmer ist. Trotzdem haben wir lange gerätselt, ob er wieder nur zu einer langen Strecke aufgebrochen ist, oder dieses mal nicht mehr zurückkehrt und damit die Fliehkräfte hinter sich lässt.

Das Buch ist in einem ruhigen, besinnlichen Erzählstil geschrieben. Die Handlung fließt einerseits wie ein ruhiger Fluss. Andererseits wird eine Spannung aufgebaut, weil der Leser die ganze Zeit wissen will, ob die Hauptperson das Berliner Angebot annimmt oder nicht.

Elisabeth Dietz, Literaturkreis

Fliehkräfte : Roman / Stephan Thome
Berlin : Suhrkamp, 2013
Suhrkamp-Taschenbuch ; 4466
473 S. ; 19 cm
978-3-518-46466-3 kart

Gelesen im Literaturkreis: „Die Sonnenuhr“ von Maarten t’Hart

Die Sonnenuhr

Leonie Kuyper arbeitet als Übersetzerin, bis sie von ihrer besten Freundin Roos, die an einem Sonnenstich stirbt, zur Alleinerbin bestimmt wird. Bedingungen für das Erbe sind der Umzug in Roos’ Wohnung und die Versorgung der drei Katzen.

Leonie akzeptiert die Bedingungen und tritt das Erbe so kompromisslos an, dass sie nach und nach ihrer verstorbenen Freundin immer ähnlicher wird: sie trägt deren Kleidung, lässt sich die gleiche Haarfrisur verpassen, grillt sich am Strand in der Sonne. Gewöhnungsbedürftig sind die überlangen, knallroten Fingernägel, doch auch denen kann sie nach und nach etwas abgewinnen. Mit ihnen kann man keine Chips aus der Tüte fischen und so sind die Krallen besser als jede Diät.

Mit zunehmender Verwandlung nährt sich der Verdacht, dass Roos doch nicht an einem Sonnenstich gestorben sein könnte. Je weiter Leonie in das Leben ihrer Freundin eindringt umso mehr gerät sie selbst in Gefahr.

Das Buch ist spannend geschrieben und liest sich gut. Wie in vielen Krimis gibt es Nebenstränge in der Handlung, die den Verdacht vom einen auf den anderen lenken und blind enden. Und auch das nach dem Vorbild vieler Krimis: Der Mörder ist jemand, mit dem man nicht gerechnet hat.

Spannende Unterhaltung mit einem – wie ich finde – laschen Schluss.

Elisabeth Dietz

Die Sonnenuhr : Roman / Maarten ‚t Hart. Aus dem Niederländ. von Marianne Holberg. – Ungekürzte Taschenbuchausg. – München ; Zürich : Piper, 2005
Piper ; 4072
3-492-24072-0 kart. : EUR 9.90

Gelesen im Literaturkreis: „Babettes Fest“ von Tania Blixen

Babettes Fest

 

Babette ist Haushälterin bei zwei Schwestern, die von ihrem strengen pietistischen Vater so erzogen wurden, dass man sich nichts gönnt, nichts genießt – kurz puritanisch lebt. Dieses Lebensmotto haben sie beibehalten, obwohl es beide ihre großen Lieben gekostet hat.

Babette, eine französische Köchin, die der Bürgerkrieg von Frankreich nach Norwegen verschlagen hat, hat nur ein Ziel: Sie möchte den beiden Schwestern einmal ein französisches Menü kochen, sie mit einem ausgezeichneten Essen verwöhnen.

Die Gelegenheit ergibt sich viele Jahre später, als Babette im Lotto gewinnt. Von diesem Geld könnte sie eigentlich in ihre Heimat zurückkehren und dort ein neues Leben beginnen. Doch stattdessen lässt sie Lebensmittel aus Frankreich kommen und kocht das, was sie früher als Köchin in einem französischen Spitzenrestaurant gekocht hat. Anlass ist ein Festessen zum 100. Geburtstag des Vaters der beiden Schwestern. Alle Gäste nehmen die Einladung an, aber um ihre pietistische Gesinnung nicht zu verraten, schweigen sie eisern zu dem erlesenen Menu und loben die Köchin nicht. Doch mit steigendem Alkoholgehalt schwinden die guten Vorsätze.

Nach der Feier erklärt Babette den Schwestern, dass sie ihren gesamten Lotteriegewinn für dieses Essen ausgegeben hat.

Tanja Blixen zeichnet ein interessantes Bild der Gesellschaft dieser Zeit und verarbeitet auch autobiographisches (sie stammte aus einem streng religiösen, protestantischen Elternhaus). Der Roman spielt in der Zeit um 1870. Vielleicht haben wir uns deshalb mit diesem Buch schwer getan. Es ist zu weit weg, kaum noch vorstell- und nachvollziehbar, was dort beschrieben wird. Mit der heutigen Zeit in nichts zu vergleichen. Erst wenn es dem Leser gelingt, das Enge, Strenge, Puritanische als Rahmen zu akzeptieren, wird vieles verständlicher.

Elisabeth Dietz, Literaturkreis

Blixen , Tania:
Babettes Fest : und andere Erzählungen / Tania Blixen. – München : btb, 2013
btb ; 74618
978-3-442-74618-7 kart. : ca. EUR 9.99