Archiv für den Monat Juli 2014

Lese-Tipp: „Elizabeth wird vermisst“ von Emma Healey

Healey, Emma Elizabeth wird vermisst

Mit 82 Jahren ist Maud schon ziemlich vergeßlich geworden – was nicht nur ihrer Familie, sondern auch ihr selbst auffällt. Die Alltagsbewältigung ist nicht einfach, doch mit Hilfe der Tochter Helen, Enkelin Katy und der Pflegerin Carla scheint es „noch“ möglich, daß Maud allein in ihrem vertrauten Häuschen lebt. Doch als Maud im Garten ihrer Freundin Elizabeth etwas findet, was sie zu einem unbewältigten Ereignis vor gut 70 Jahren zurückführt, beschleunigt sich ihr Verfall.
Seither kann sie Elizabeth nicht mehr finden, und Mauds Suche nach ihr nimmt sie vollkommen in Anspruch. Zugleich taucht sie immer tiefer in die Vergangenheit ein, denn auch Mauds ältere Schwester Sukey ist in der Nachkriegszeit unauffindbar verschwunden. Immer schneller vermischen sich Gegenwart und Vergangenheit, immer weniger gelingt es Maud, sich in der „Realität“ zurechtzufinden und sich ihrer Umgebung mitzuteilen. Da das Buch allein aus Mauds Perspektive geschrieben ist, erleben wir gewissermaßen vonn innen her mit, was ihr an Konzentration abverlangt wird. Maud läßt sich kreative Ausreden und Umwege einfallen, die den Mitmenschen verrückt erscheinen müssen, aber doch eine ganz eigene Logik haben – niemand außer dem Leser kann verstehen, weshalb sie zum Beispiel ständig Unmengen an Dosenpfirsichen kauft, seltsame Dinge aufsammelt und in Zeitungspapier verpackt, wie ein Wort oder ein zufällig auftauchender Gegenstand sie punktgenau zu einer längst vergangenen Episode zurückführt. Knopf, Ohrring, Pfefferminzbonbon, Vogel, Glas, Lippenstift, Schleife und viele andere unscheinbare Dinge sind Puzzleteilchen, die sie mühsam zusammenzusetzen versucht.  „Sie kaufen nicht mehr beim selben Fischhändler ein, oder?“ – das scheint eine unsinnige Frage zu sein, Maud selber kann nicht verstehen, was sie eigentlich damit meint: „Die Worte sind irgendwie nicht eindeutig, und das ärgert mich, aber sie passen zu meinen Gedanken, denn die sind weich wie Teig.“ Bald helfen auch die zahllosen Hinweisschilder in der Wohnung („KLO – Hier entlang!“ – „Nicht kochen!“) und die Notizzettel, die sie sich selbst schreibt, nicht mehr weiter – sie weiß nicht mehr, warum sie sich etwas aufgeschrieben hat, nur die Ahnung, es möchte wichtig gewesen sein, verstört sie noch mehr. Und doch gelingt es ihr unter Aufbietung aller Kräfte, das Drama um Sukey aufzuklären, aber zu spät – „Mir fehlt die Kraft, an zwei Orten zugleich zu sein …“

Der 28-jährigen Emma Healey ist mit ihrem ersten Roman ein ganz erstaunliches Buch gelungen!

 
Elizabeth wird vermisst / Emma Healey
Köln: Lübbe, 2014
348 S.
ISBN 978-3-7857-6110-6

Tipp von Juliane Buff

 

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Lesetipp: „Das Mathebuch“ von Clifford A. Pickover

mathebuch

In letzter Minute über Urlaub nachgedacht, aber überall ist ausgebucht? Kein Problem, in „Hilberts Hotel“ ist immer ein Zimmer frei, sogar wenn es vollbesetzt ist und ein Bus mit unendlich vielen Passagieren vorfährt. Wie kann das sein???
Das erfährt man in dem sehr schönen und anschaulichen Buch, mit dem Mathe auch in den Sommerferien Spaß macht (H)

Pickover, Clifford A.:
Das Mathebuch : von Pythagoras bis in die 57. Dimension ; 250 Meilensteine in der Geschichte der Mathematik / Clifford A. Pickover. – 1. – Kerkdriel : Librero, 2013. – 527 S. : überw. Ill. (überw. farb.), graph. Darst., Kt. ; 220 mm x 200 mm
Einheitssacht.: The math book <dt.>. – Aus dem Engl. übers.
ISBN 978-90-899828-0-3 Gb. : 19.90 (DE : 19,90 €

 

Tipp von Juliane Buff