Archiv für den Monat Mai 2014

Lesetipp ,,Das Rosie-Projekt“ von Graeme Simsion

rosie projekt

 

In diesem Liebesroman versucht der Naturwissenschaftler Don Tillman eine Ehefrau zu finden.
Don hat sein Leben Plänen und Routine untergeordnet, so isst er zum Beispiel jede Woche die gleichen Gerichte und nie etwas anderes.
Außerdem erscheint er zu Terminen immer auf die Minute pünktlich und nie auch nur eine Minute zu früh oder zu spät.
Um eine Ehefrau zu finden entwickelt Don einen ausführlichen Fragebogen, den er von einer Vielzahl von Frauen ausfüllen lässt und anschließend auswertet.
Doch ihm gefällt keine der Frauen, da er sehr genaue Vorstellungen davon hat, wie seine Ehefrau sein soll und bei der kleinsten Abweichung von der richtigen Antwort des Fragebogens werden die Frauen aussortiert.
Später denkt Don dann auch darüber nach, ob Frauen mit ihm zusammenleben wollen, denn bisher hatte er immer nur Bedingungen an die Frauen gestellt, aber nicht über seine eigenen Eigenheiten nachgedacht.
Durch einen Zufall lernt er schließlich Rosie kennen und hält sie zuerst auch für eine Frau, die sich als Ehefrau bewerben möchte, obwohl dies nicht der Fall ist, denn Rosie möchte mit Dons Hilfe ihren leiblichen Vater suchen.
So kommt es dazu, dass Rosie und Don sich auf die Suche nach Rosies leiblichen Vater machen und auf vielfälltige Weise DNA Proben von potenziellen Vaterkandidaten einsammeln.
Dabei entdeckt Don die Welt außerhalb seines durchstrukturierten Lebens.
Langsamm bekommt Don auch Lust, auf dieses für die meisten Menschen normale Leben und entwickelt Gefühle.
Plötzlich erkennt er, dass er Rosie liebt, auch wenn er einige Verhaltensweisen von ihr eigentlich nicht ertragen kann. Am Ende des Romans beginnt Don um Rosies Liebe zu kämpfen und Rosies Vater wird nach langer Suche gefunden.

 

Das Rosie-Projekt

ISBN: 978-3-8105-1951-1

350 Seiten

Krüger Verlag

 

Lesetipp von Ricarda Schnettler

 

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Gelesen im Literaturkreis: „Lotte in Weimar“ von Thomas Mann

Thomas Mann: Lotte in Weimar

Die verwitwete Charlotte Kestner ist zusammen mit Tochter und Zofe nach Weimar gereist, um ihre Schwester zu besuchen. Kaum im Hotel abgestiegen, sorgt der Kellner dafür, dass es sich wie ein Lauffeuer verbreitet, dass „Werther’s Lotte“ in der Stadt ist.

Denn in die junge Charlotte Kestner, die damals bereits verlobt war, hatte Goethe sich in jungen Jahren leidenschaftlich verliebt. Diese Situation war Stoff für „Die Leiden des jungen Werther“.

Nun – 44 Jahre später – ist Charlotte wieder in der Stadt und Gegenstand des öffentlichen Interesses. So kommt es, dass das geplante Mittagessen mit ihrer Schwester ausfällt und sie stattdessen einen Besucher nach dem anderen empfängt. Alle haben irgendwie mit Goethe zu tun und jeder Besucher steht ihm ein bisschen näher als der Vorige.

Jeder spricht über Goethe aus seiner Sicht: Der ehemalige Angestellte, die Freundin der zukünftigen Schwiegertochter Goethes und schließlich sein Sohn.

Meisterlich beschreibt Thomas Mann die Personen, entwickelt die Handlung des Romans indem er geschickt die Perspektiven wechselt. Alles läuft auf das Treffen von Charlotte mit Goethe hinaus.

Es ist ein meisterhaftes Buch, in dem Thomas Mann das Leben und Wirken Goethes beschreibt. Dazu schreibt er auch im Stil Goethes, was es dem Leser manchmal schwer macht, dabei zu bleiben. Auch die langen Monologe der Besucher erscheinen hin und wieder etwas langatmig. Das Buch zeigt aber deutlich, was für ein großer Schriftsteller nicht nur Goethe sondern auch Thomas Mann war.

Elisabeth Dietz, Literaturkreis

Gelesen im Literaturkreis: „Geh, wohin dein Herz dich trägt“ von Susanna Tamaro

Susanna Tamaro: Geh, wohin dein Herz dich trägt

Olga, eine alte Frau, die nicht mehr lange zu leben hat, schreibt Briefe an ihre Enkelin.

Dieser einseitige Briefverkehr ist der Inhalt des Buches. Das ist nicht langweilig, sondern spannend. Der Leser erwartet bei jedem neuen Brief, dass die Enkelin sich vielleicht gemeldet hat, vielleicht zu Besuch war und in dem nächsten Brief darauf Bezug genommen wird.

Doch das passiert nicht, denn Großmutter und Enkelin haben sich darauf eingelassen, sich nicht zu schreiben, keinen Kontakt zu haben. So schreibt Olga also ihre Lebensbeichte, schickt die Briefe aber nicht ab, sondern hofft, dass die Enkelin sie eines Tages finden und lesen wird.

Das Buch enthält viele Lebensweisheiten, aber auch alle Familiengeheimnisse, die letzten Endes das Weggehen der Enkelin verständlich machen.

Elisabeth Dietz, Literaturkreis

Gelesen im Literaturkreis: „Ich bin nicht Ottilie“ von Sigrid Damm

Sigrid Damm: Ich bin nicht Ottilie

Sarah lebt mit Ehemann und Kindern in der DDR. Das Buch beschreibt ihr Leben und ihre Arbeit und ist damit ein Abriss über den Alltag in der DDR.

Die Autorin des Buches stammt aus der DDR und hat lange dort gelebt; es finden sich viele Parallelen zwischen ihrem Leben und dem der Protagonistin.

Wer sich über den Titel wundert: Er bezieht sich auf die Ottilie aus Goethes Wahlverwandtschaften. Sie lebt in einer Dreiecksbeziehung, an der sie zugrunde gehen wird. Auch Sarah hat seit zehn Jahren einen Geliebten. Sie braucht beide Männer. Und beharrt darauf, dass sie damit anders umgehen wird als Ottilie.

Elisabeth Dietz, Literaturkreis

Gelesen im Literaturkreis: „Narziß und Goldmund“ von Hermann Hesse

Hermann Hesse: Narziß und Goldmund

Narziß ist der streng gläubige Denker, der in einem Kloster lebt. Dort lernt er Goldmund kennen, der von seinem Vater im Kloster abgeliefert wird. Beide sind jung.

Als Goldmund älter wird, verlässt er das Kloster und genießt das Leben und die Frauen. Er lässt nichts anbrennen und nimmt mit, was er kriegen kann. Nebenbei lernt er das Schnitzen und schafft schöne Skulpturen. Als er wegen einer Liebelei mit der Geliebten eines Stadthalters zur Todesstrafe verurteilt wird, treffen die beiden Freunde aufeinander. Narziß rettet Goldmund und geht mit ihm zum Kloster zurück, wo er fortan lebt und arbeitet.

Es geht um den Geistmensch, dem der Sinnenmensch gegenübersteht – der Denker dem Künstler. Gegensätze, die in jedem Menschen vorkommen und für oder gegen die sich jeder entscheiden muss. Das zentrale Thema des Buches ist aber Goldmund’s Suche nach der unbekannten Mutter. Hermann Hesse hat sich viel mit den Werken des Philosophen Friedrich Nietzsche und den Theorien von Carl G. Jung zur analytischen Psychologie befasst, womit sich die Suche nach der Mutter erklären lässt.

Im Literaturkreis haben wir sehr gegensätzliche Meinungen gehabt. Den einen gefiel die Erzählung nicht, weil es Goldmund immer nur um das Eine ging. Andere fanden die philosophischen Betrachtungen interessant. Einig waren wir uns darin, dass „Narziß und Goldmund“ sich leichter lesen ließ als „Der Steppenwolf“.

Elisabeth Dietz, Literaturkreis

Gelesen im Literaturkreis: „Die Rote“ von Alfred Andersch

Alfred Andersch: Die Rote

Das Buch ist 1960 erschienen und handelt von Themen, die damals als Tabu galten: Dreiecksbeziehung, Homosexualität und Abtreibung.

Konkret geht es um Franziska – eine Frau mit roten Haaren – die mit Herbert verheiratet ist und mit dem gemeinsamen Chef Joachim ein Verhältnis hat, von dem Herbert weiß. An einem Abend in Mailand eröffnet sie Herbert, dass sie schwanger ist. Da er anders reagiert, als sie es sich vorgestellt hat, verlässt sie ihren Mann Hals über Kopf und setzt sich in den nächsten Zug, der zufällig nach Venedig fährt.

Mit nur wenig Geld lebt sie dort in einer billigen Pension und versucht, ihr Leben neu zu organisieren.

Aus heutiger Sicht haben wir uns gefragt, was das für eine Frau ist. Einerseits hat sie eine gute Ausbildung und arbeitet als Dolmetscherin, andererseits verlässt sie eine Abhängigkeit, um in eine andere zu geraten. Und wieso nimmt sie ihre ganzen Diplome und Zeugnisse nicht mit, als sie ihren Mann verlässt? Wieso bleibt sie in Venedig? Wo schnell klar wird, dass sie als Dolmetscherin überall in Italien Arbeit finden wird, außer in Venedig?

Wir konnten – aus unserer heutigen Sicht – diese Frau nur schwer verstehen. Aus der Sichtweise der 60er Jahre fiel es uns etwas leichter.

Schön ist der Schreibstil von Alfred Andersch. Schlicht und unprätentiös, aber sehr präzise beschreibt er Situationen und Orte. Man ist mittendrin in Venedig und kann es sich genau vorstellen, auch wenn man noch nicht da war.

Elisabeth Dietz, Literaturkreis