Archiv für den Monat August 2013

Nofretete – Die Wahrheit über die schöne Königin

nofretete

Schon der Titel des Buchs: „Nofretete – Die Wahrheit über die schöne Königin“ zeigt die Intention des Autors – nämlich auf Grundlage wissenschaftlicher Untersuchungen das Leben der Königin so wirklichkeitsgetreu wie möglich darzustellen. Die Büste der Nofretete ist eine der berühmtesten Skulpturen weltweit. Schlögl stützt seine Aussagen auf altägyptische Texte und archäologische Funde.
Außerdem werden die verwandtschaftlichen Beziehungen aufgrund neuer DNS-Analysen geklärt.
Das Buch enthält viele interessante Fakten, wie z. B., dass die Namen „Nofretete“ und „Nefertiti“, unter denen die ägyptische Königin bekannt ist, eigentlich eine falsche Lautbildung sind. Heute weiß man, dass der Name eigentlich „Nafteta“ ausgesprochen wird.
Das Buch ist insgesamt sehr ausführlich geschrieben, der Leser erhält viele Hintergrundinformationen, sowohl über die Entdeckung der Skulptur als auch über das Leben der Königin.
Durch viele Illustrationen werden die Erzählungen anschaulich. Es sind beispielsweise Abbildungen enthalten, die Zeichnungen von Amarna (Achetaton) und der dortigen Grabanlage oder die Gesamtanlage des Gehöfts des Bildhauers Thutmosis (Fundort der Skulptur) zeigen.
Außerdem enthält das Buch einen Stammbaum des Königshauses von Amarna und die DNS-Analyse, die mithilfe des Back-Track-Verfahrens und dem Kinship-Algorithmus durchgeführt wurde. Hinzu kommen Literaturhinweise und eine Zeittafel, in der kurz und knapp die Geschehnisse im Königshaus von Amarna aufgelistet sind.

Das Buch ist eine Leseempfehlung für alle, die sich für das alte Ägypten und insbesondere Nofretete interessieren.
Der Autor Hermann A. Schlögl ist Professor em. für Ägyptologie an der Universität Fribourg.

Wochentipp: „Hausmaestro“ von Rupert Schöttle

Schöttle, Rupert Hausmaestro

Der junge Dirigent Magnus Maurer soll kurzfristig bei der Premiere von „La Traviata“ an der Wiener Staatsoper den erkrankten Dirigenten ersetzen – ein weltweit beachtetes Ereignis, denn Maurer wird bereits als ein würdiger Nachfolger Karajans betrachtet. Doch in kürzester Zeit hat er sich mit allen Musikern überworfen … und wird wenige Tage vor der Premiere in seinem herrschaftlichen Logis unweit der Strudlhofstiege ermordet aufgefunden.

Der brisante Fall wird den Inspektoren Vogel (Greyhound-Besitzer und Schürzenjäger) und Walz (Musikliebhaber mit lateinamerikanischer Freundin) übertragen – eigentlich sind sie ja Inspektoren im untergeordneten Kommissariat Josefstadt, doch wegen einer Grippeepidemie im Landeskriminalamt und des bevorstehenden Staatsbesuchs des russischen Präsidenten dürfen sie sich plötzlich als „hofrätliche Landespolizisten in Leiharbeit“ fühlen. Keine einfache Aufgabe erwartet sie, denn die Zahl der Verdächtigen ist unüberschaubar …

Rupert Schöttle, als Cellist selbst freier Mitarbeiter bei den Wiener Philharmonikern, unternimmt zahlreiche Abstecher zu Nebenkriegsschauplätzen insbesondere in der Restaurant-Szene, wo auch gern das eine oder andere Verhör durchgeführt wird (denn „beim Essen kommen einem die besten Einfälle“) – wer das Café Prückel in Wien nicht kennt, dem ist ja nicht zu helfen, aber das Gasthaus Kopp, das „Wickerl“ im 9. Bezirk, „Smokey’s“ oder gar das „Gutruf“ lohnen gewiß einen Besuch …

Schöttle, Rupert:
Hausmaestro : [ein Wien-Krimi] ; Kriminalroman / Rupert Schöttle. – 1. Aufl.. – Meßkirch : Gmeiner, 2013. – 313 S. ; 20 cm. – (Gmeiner-Original)
ISBN 978-3-8392-1392-6

Tipp von Juliane Buff

 

 

 

Wochentipp ,,Ein ganzes halbes Jahr“ von Jojo Moyes

 

 

In diesem wunderbaren Roman geht es um das Thema selbst über sein Leben oder eben auch über seinen eigenen Tod bestimmen zu dürfen.

Der einst beruflich sehr erfolgreiche und sportliche Will Traynor ist nach einem Unfall ein C5 / C6 Tetraplegiker. Dies bedeutet, dass er im Rollstuhl sitzt und nur noch einen Arm sehr eingeschränkt bewegen kann.

Will ist 24 Stunden am Tag auf Hilfe angewiesen und dies kann er nur schwer verkraften und auch seine körperlichen Schmerzen sind oft unerträglich.

Im Buch erfährt man, dass er versucht hat sich das Leben zu nehmen, dies aber nicht funktioniert hat und er seine Mutter angefleht hat ihn in die Schweiz zu bringen, in eine Sterbeklinik, um seinem Leben mit 35 Jahren ein Ende zu setzen.

Die verzweifelte Mutter Camilla willigt widerwillig ein, nach dem sie eingesehen hat, dass sich ihr Sohn nicht umstimmen lässt. Doch ihr letzter Versuch Will doch noch umstimmen zu können ist es die junge Louisa Clark genannt Lou für Will als Pflegekraft einzustellen, die noch nie in einem pflegerischen Beruf tätig war und durch ihre redselige und aufheiternde Art Will neuen Lebensmut geben soll.

Will hat seinen Eltern versprochen für sie noch ein halbes Jahr am Leben zu bleiben.

Als Lou als Pflegekraft bei den Traynors anfängt hat sie noch keine Ahnung von Wills Absicht in einem halben Jahr sein Leben beenden zu wollen.

Doch als Lou davon erfährt schmiedet sie den Plan Will davon zu überzeugen, wie schön das Leben auch als C5 / C6 Tetraplegiker sein kann.

Gemeinsam mit dem ausgebildeten Pfleger Nathan der sich um Wills medizinische Bedürfnisse kümmert besuchen Lou und Will viele verschiedene Orte und Will findet sein Lachen wieder und Lou sowie die Traynors hoffen, dass Will sich vor Ablauf der Frist für den Termin in der Schweizerklinik umentscheidet und weiterleben möchte.

Wenige Tage vor Ablauf der Frist verbringen Will, Nathan und Lou einen wunderschönen Urlaub auf Mauritius, doch wird Lou es geschafft haben ihm vom Leben zu überzeugen?

Während der sechs Monate hat sich nicht nur Will verändert, sondern er hat auch Lou verändert und ihr gezeigt wie viel mehr sie aus ihrem Leben machen kann.

Dieser Roman regt zum diskutieren an und er ist so spannend, da man unbedingt wissen möchte, wie Will sich am Ende entscheidet, dass man ihn kaum noch aus der Hand legen kann.

 

Tipp von Ricarda Schnettler

 

Wochentipp: „Die Geister schweigen“ von Care Santos

Santos, Care Die Geister schweigen

37mal hat der Maler Amadeo Lax seine Frau Teresa porträtiert – zum ersten Mal als 12jähriges Mädchen. Besonders verstörend wirkt aber das Fresko „Teresa abwesend“, das der Künstler 1936 in seinem prunkvollen Stadthaus in Barcelona anbrachte.
Als das Haus Jahrzehnte nach dem Tod des Malers endlich gemäß seinem letzten Willen in ein Museum umgewandelt werden soll, kommt es bei den Restaurierungsarbeiten zu einer furchtbaren Entdeckung.
Violeta Lax, die Enkelin des Künstlers, lebt seit langem in den USA. Als Kunsthistorikerin ist sie auf das Werk ihres Großvaters spezialisiert und an der Errichtung des neuen Museums als Fachfrau beteiligt. Aber nun muß sie sich mit der Familiengeschichte auseinandersetzen und lernt ihren Großvater von einer ganz anderen Seite kennen:
„Die Geschichte der Malerei, der Kunst und der Literatur ist voller unerträglicher Persönlichkeiten, die von Talent strotzen. Das sind Wesen, die Nachschlagewerke schmücken, aber für die Menschen, die das Pech hatten, mit ihnen zusammenzuleben, eine echte Plage waren.“

Mit Beigaben von Zeitungsartikeln, Beiträgen aus Museumskatalogen und E-mails entsteht eine großartige Familiengeschichte vor der Kulisse der Stadt Barcelona -und  allgegenwärtig sind die Geister des Hauses, die alles wahrnehmen und schweigen … und von denen nur wir Leser die ganze Geschichte erfahren.

In großen Zeitsprüngen bewegt sich die Handlung  vor- und rückwärts, was zunächst etwas mühsam zu lesen scheint, aber dennoch logisch aufgebaut ist. Damit niemand den Überblick verliert, sind ein Stammbaum der Familie Lax und eine Chronik dem Buch vorangestellt.
Das alles ist federleicht und elegant erzählt mit einer Fülle von entzückenden Details, von denen ich an dieser Stelle nur eines hervorheben möchte:
Als Don Rodolfo Ende des 19. Jahrhunderts den repräsentativen Palacio im Pasaje Domingo errichten läßt, wird alles mit der modernsten Technik ausgestattet – auch ein Telefon gehört zu den neuesten Errungenschaften. Nur über den Standort kann man sich lange nicht einigen. „In meinem Kabinett kann es nicht stehen. Schon seine Anwesenheit würde mich von der Arbeit abhalten“, behauptet Don Rodolfo, und Doña Maria wehrt sich mit Händen und Füßen dagegen, es in der Bibliothek aufstellen zu lassen: „Ich werde nicht zulassen, daß dieses Ding meine Bücher infiziert!“ Und so bekommt das Telefon schließlich ein eigenes Zimmer in einem Verschlag unter der Treppe, wunderschön ausgestattet mit Teppich, Tischchen und Sesselchen, und das Zimmerchen kann abgeschlossen werden, den Schlüssel verwahrt selbstverständlich der Hausherr stets in seiner Westentasche…

Ein herrliches Buch – lesen!!!

Santos , Care:
Die Geister schweigen : Roman / Care Santos. – Frankfurt am Main : Krüger, 2012. – 536 S.

Tipp von Juliane Buff