Archiv für den Monat Mai 2012

Wochen-Tipp: „Sommerhaus mit Swimmingpool“ von Herman Koch

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Als Nicht-Bestseller-Leserin hatte ich vor zwei Jahren schon Herman Kochs „Angerichtet“ ausgelassen, und auch sein zweites Buch „Sommerhaus mit Swimmingpool“ blieb ungelesen – aber als mir jetzt eine Kollegin darüber erzählte, mußte ich doch mal zugreifen.
In der Praxis von Marc Schlosser ist die Organisation einfach perfekt – ganze 20 Minuten steht der Allgemeinmediziner jedem seiner Patienten zur Verfügung. Als Hausarzt ist er sehr beliebt, seine Klientel besteht vor allem aus Menschen mit künstlerischen Berufen (die bekannt sind für ihre ungesunde Lebensweise), was zur Folge hat, daß der Arzt oft zu Vernissagen, Filmpremieren, Theater- und Opernaufführungen eingeladen wird. Solche Events öden ihn leider genauso an wie seine Patienten: Wie bei den für Schlosser selbst am meisten widerlichen Untersuchungen gibt er sich ganz anderen Gedanken hin, deren bizarre Details den Leser teils amüsieren, teils schockieren können – hier eine Leseprobe der harmlosen Art: “ Vor zwanzig Jahren wurde noch eindringlich davor gewarnt, mit vollem Magen ins Wasser zu gehen. Diese Ansicht gilt inzwischen als überholt. Man sollte gerade nach dem Essen nicht zu lange warten … Der Magen ist voll, gewiß, und das ist nicht ganz ohne Risiko. Gerichte mit geschmolzenem Käse können im Nu gerinnen. Der Käse kühlt zu schnell ab und wird zu einem harten Klumpen. Der Magenpförtner schließt sich. Die Abfuhr zum Darm verstopft. Soßen können ins Rollen kommen, wie Öl im Raum eines Riesentankers. Der Tanker gerät in einen furchtbaren Sturm und zerschellt an einem Riff. Die Soßen schwappen gegen die Magenwand und steigen durch die Speiseröhre nach oben. Der Schwimmer droht an seinem eigenen Erbrochenen zu ersticken …“
Das Familienleben scheint intakt: Caroline ist eine entzückende Frau, die beiden Töchter Julia (13) und Lisa (8) werden über alles geliebt – obwohl sich Marc Schlosser eigentlich einen Jungen gewünscht hatte: „Nächstes Mal besser!“ Aber nach der Geburt der zweiten Tochter beschließt er, daß nun Schluß sein muß, denn „Männer mit zwei Töchtern sind einfach nur lächerlich.“
Aber eines Tages betritt der Schauspieler Ralph Meier die Praxis und gibt damit Schlossers Leben eine Wende – natürlich folgt dem Arztbesuch die Einladung zur Theaterpremiere mit anschließendem Sektempfang, und zu diesem Event geht sogar Schlossers Ehefrau Caroline gern mit. Schon von diesem Moment an sind eigentlich alle Protagonisten rettungslos verloren – der Besuch im „Sommerhaus mit Swimmingpool“ führt nicht nur zu Mord und zerbrochenen Existenzen, auch das Leben der beiden Mädchen scheint in eine ganz üble Richtung zu laufen, was einem noch auf den letzten Seiten des Buchs das Herz zerreißt.
Zynisch und bitterböse, sarkastisch und hochspannend!

Koch, Herman:
Sommerhaus mit Swimmingpool
Köln: Kiepenheuer & Witsch, 2011
345 S.

Tipp von Juliane Buff

101. Bibliothekartag in Hamburg vom 22.-25. Mai 2012

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Unter dem Motto „Bibliotheken – Tore zur Welt des Wissens“ findet in diesem Jahr der 101. Bibliothekartag in Hamburg statt, zu dem der Berufsverband Information Bibliothek e.V. (BIB) und der Verein Deutscher Bibliothekare (VDB) einladen. Über 3.500 Bibliothekare aller Sparten treffen sich im Kongresszentrum CCH, um Fortbildungsveranstaltungen zu besuchen, Erfahrungen auszutauschen, Netzwerke zu knüpfen und die Firmenausstellung zu besuchen.

Wenigstens zwei Tage lang waren wir auch dabei und konnten viele neue Eindrücke gewinnen, den charmanten Vortragsstil vieler hochkarätiger Referenten bewundern, in der „Zukunftswerkstatt“ neue Technologien ausprobieren oder am alternativen Programm am KIBA-Stand (Konferenz der informations- und bibliothekswissenschaftlichen Ausbildungs und Studiengänge) teilnehmen.

Auf der Kongressparty waren wir zwar nicht, aber das Vergnügen kam dennoch nicht zu kurz …

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Und wußten Sie eigentlich schon, daß man in einem E-Book auch rumkritzeln kann?

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Vortrag von Christa Claßen: „Kinderwelten sind Medienwelten“ am Mittwoch, 30.5.2012 um 19:30 Uhr

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„Kinderwelten sind Medienwelten – was bedeutet das für die Eltern?“
Immer früher kommen Kinder mit elektronischen Medien in Berührung.
Ihre Kinder surfen fast täglich im Internet, chatten mit Freunden über „ICQ“, schauen Videos auf „YouTube“ oder haben sogar schon eine eigene Seite bei „Facebook“? Zwischendurch schicken sie ihren Freunden SMS oder drehen kleine Handy-Videos?
Auch Computer- und Videospiele sind aus dem Alltag vieler Kinder und Jugendlicher nicht mehr wegzudenken. Gerade für Kinder ist das Spielen die am häufigsten ausgeübte Tätigkeit am Computer.
Elektronische Medien sind ein fester Bestandteil im Leben unserer Kinder. Die Familie ist dabei zumeist der erste Ort, an dem die Weichen für die Mediennutzung gestellt werden. Wenn Sie sich schon oft gefragt haben, was Ihre Kinder an Internet und Co. so fasziniert, laden wir Sie herzlich zu diesem Vortrag ein.

Christa Claßen ist Bildungsreferentin, Medienpädagogin, Dozentin und Erwachsenbildnerin.

Eine Veranstaltung in Zusammenarbeit mit dem Vernetzten Bildungshaus e.V und der Petrigrundschule

Literarischer Spaziergang: „Vom Paradies und anderen Gärten“ am Freitag, 15.6.2012

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Im Merian-Heft über Soest schreibt Hanna Stephan im Jahr 1955 unter dem Titel „Die Inselgärten“ über die Gärten von Soest:
„Und wie man anderwärts zwischen Heckenwegen geht, so schritt ich hier auf kaum wagenbreiten Wegen durch torlose Mauern, die sich da­hinschwangen, wie die Gärten es wollten, die sie verbargen; ahnte den rotblühenden Zierapfel, die ro­sigschäumende japanische Kirsche, den Goldregen, den Flieder, der so hoch gewachsen war, daß er, wenn er erst blühte, wie ein strotzender Blumenstrauß auf der Mauer sitzen und den Vorübergehenden mit dem Geheimnis des verschlossenen Gar­ten verlocken würde. Denn die Mauer gab nichts preis.“
 

Blicken Sie jetzt fast 60 Jahre später mit Alexandra Eckel über den Gar­tenzaun!

Sie hören Texte aus
„Das kleine Gartenglück“ , hrsg. von Ingrid Bade
„Lektüre im Garten“, ausgewählt von Franz-Heinrich Hackel
„Vom Paradies und anderen Gärten“, hrsg. von Claudia Schmölders

„Elizabeth und ihr Garten“ von Elizabeth von Arnim

Freitag, 15.6.2012 um 19:00 Uhr
Treffpunkt: Stadtbücherei, Severinstraße

Die Teilnahme ist kostenlos!

Der Zauber der ersten Seite

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Das Buch polarisiert seine Leserschaft: In die, die es zu langatmig, zu unwahrscheinlich, zu wenig chronologisch geschrieben finden. Und in die, die die Grundidee, die vielen Nebengeschichten, die hin und herspringende Schreibweise mögen.

Inhaltlich geht es um Francesca und Ivan, die ihren Traum verwirklichen und in Paris eine Buchhandlung mit dem Namen „Der gute Roman“ führen. Es werden, wie der Name schon sagt, nur gute Romane verkauft. Um festzulegen, was gute Romane sind, haben die beiden ein Komitee aus acht Schriftstellern gegründet, das Vorschlagslisten mit Büchern einreicht, die dann in der Buchhandlung angeboten werden. Die Idee hat Erfolg und das ruft die Konkurrenz auf den Plan, die – wie im wirtschaftlichen Leben durchaus vorstellbar – gegen die Außenseiter vorgeht und dabei vor Diffamierung und Hetzjagd nicht zurückschreckt. Als Attentate auf drei Komiteemitglieder verübt werden, schalten Ivan und Francesca die Polizei ein …

Erzählt wird das nicht in der Reihenfolge wie oben dargestellt. Vielmehr beginnt das Buch mit den Attentaten und der Leser weiß zuerst gar nicht, was das soll. Erst später wird alles zusammengeführt. Lange Passagen, in denen es um die Vorgeschichte und die Gründung der Buchhandlung geht, sind als Rückblende erzählt, um am Ende wieder in der Gegenwart zu landen.

Außerdem taucht erst selten, dann immer häufiger und in immer längeren Abschnitten ein Ich-Erzähler auf, der zunächst irritiert. Gleichzeitig erzeugt dieses Stilmittel Spannung, wer nun dahintersteckt.

Neben dem Erzählstrang über die Buchhandlung sind viele Nebenschauplätze integriert. So gibt es gibt eine zarte Liebesgeschichte zwischen Van und der jungen Anis. Auch die Beziehung zwischen Francesca und Van spielt eine entscheidende Rolle. 
 

Wer keinen reißenden Strom sondern einen ruhigen Erzählfluss mit Nebenhandlungen mag, dem wird der Roman gefallen. Es ist ein eher stilles Buch mit sehr französischer Schreibweise und anspruchsvoller Roman-Konstruktion. Zum schnellen Überfliegen ist es eher nicht geeignet. Unglücklich ist der deutsche Titel (s.o.), der natürlich zu der Erwartung verleitet einem Zauber zu erliegen. Ob das gelingt, muss jeder für sich selbst entscheiden.

Cossé, Laurence:
Der Zauber der ersten Seite
München: Blanvalet, 2011
464 S.

Tipp von Elisabeth Dietz, Literaturkreis in der Stadtbücherei

Alice im Wunderland

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Die junge Alice flieht auf einem Fest vor einem Heiratsantrag. Dabei fällt sie in ein großes Loch im Garten. In einem runden Raum findet sie sich wieder, aber alle Türen sind verschlossen. Alle bis auf eine kleine Türe. Nachdem sie ein Törtchen und einen Trank zu sich genommen hat schrumpft sie und gelangt durch die Tür in ein magisches Land. Dort wird sie schon vom weißen Kaninchen, der Haselmaus, dem Dodo und den Zwillingen Diedeldum und Diedeldei erwartet. Diese rätseln, ob dies die richtige Alice ist oder nicht. Das Mädchen wird zu der Raupe Absolem gebracht. Der erzählt, dass Alice schon einmal im Wunderland war und nun für eine wichtige Aufgabe zurückkehren müsse. Da man aber noch immer nicht weiß, ob sie die richtige ist, wird sie zurückgeschickt. Doch das Abenteuer fängt gerade erst an.

Eine Geschichte, in der es darum geht, seine eigenen Entscheidungen zu treffen und den Weg bis zum Ende zu gehen. Wunderbar Bilder, die vor Farben nur so strotzen und trotzdem recht düster wirken. Johnny Depp der beste Hutmacher der je in einer Verfilmung zu sehen war. Tim Burton ist einfach ein wahrer Künstler.

von A. Helling

Des weiteren gibt es in der Stadtbücherei Soest von Lewis Carroll noch: Alice im Wunderland (Hörbuch, deutsch), Alice’s Adventures In Wonderland And Through The Looking-glass (Hörbuch, englisch), Alice’s Adventures In Wonderland And Through The Looking-glass And What Alice Found There (Buch, englisch), Die Alice-Romane (Buch, deutsch), Alice im Wunderland (Buch, deutsch), Alice im Wunderland (Buch, russisch), Briefe an kleine Mädchen (Buch, deutsch), Phantasmagorie (Buch, deutsch).

Zu Alice im Wunderland finden sich außerdem: Auf den Spuren von Alice im Wunderland (Sachbuch von Christina Björk, deutsch), die Comicbearbeitung von David Chauvel und ein PC-Spiel basierend auf der Verfilmung von Tim Burton.

Arthur Conan Doyle – Das Zeichen der Vier

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Die Auftraggeberin Miss Mary Morstan bittet Sherlock Holmes und Dr. Watson diese zu einem geheimen Treffpunkt zu begleiten. Dort angekommen werden sie per Kutsche kreuz und quer durch London gefahren. In einem Randgebiet treffen sie den exzentrischen Thaddeus Sholto. Dieser berichtet Miss Morstan vom Tod ihres Vaters, der als verschollen galt. Des weiteren erfahren die Drei von einem Schatz, dessen Erbin Miss Morstan durch eine Reihe von Ereignissen sein soll. Doch was hat es mit dem Zeichen der Vier auf sich?

Ein typischer Sherlock Holmes, der durch seine Selbstsicherheit, sein Wissen und seine Intuition mal wieder den Tag rettet. Nach all den Jahren immer noch Kult.

von A. Helling

Des weiteren gibt es von Arthur Conan Doyle:

als Buch: Die vergessene Welt, Der Hund von Baskerville, Das Fiasko von Los Amigo, Abenteuer aller Art, Seine Abschiedsvorstellung, Sherlock Holmes‘ Buch der Fälle, Das Tal der Angst, Die Memoiren des Sherlock Holmes, Die Rückkehr des Sherlock Holmes, Die Abenteuer des Sherlock Holmes, Eine Studie in Scharlachrot, The memoirs of Sherlock Holmes, A study in scarlet, The hound of the Baskervilles, The speckled band, The case-book of Sherlock Holmes

als Hörbuch: The adventures of Sherlock Holmes, Sherlock Holmes: A scandal in bohemia, Sherlock-Holmes-Geschichten, Der Hund von Baskerville

auf DVD: Sherlock Holmes (Der Hund der Baskervilles, Der Seidenstrumpfmörder), Sherlock Holmes (mit Robert Downey Jr. und Jude Law)