Wochen-Tipp: „Absolut Warhola“ – DVD

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„I am from nowhere“, pflegte Andy Warhol auf die Frage nach seiner Herkunft zu sagen – kein Wunder, denn es liegen Welten zwischen seinem Geburtsort Pittsburgh, Pennsylvania, und Miková, dem ostslowakischen Heimatort seiner Eltern.
Durch Zufall wurde der polnische Filmemacher Stanislaw Mucha auf das Popartmuseum in Medzilaborce, einem Nachbarort von Miková, aufmerksam: Beim Bierschmuggeln über die polnische Grenze um 1990 war es angeraten, immer eine Katze bei sich zu haben, um im Fall des Falles die Hunde der Grenzer zu beschäftigen. Einmal war Mucha auf dem Rückweg die Katze abhanden gekommen, und er suchte ausgerechnet in Miková nach Ersatz. Dort konnte er allerdings nur über einen gewissen „Andrijku“ ins Gespräch kommen, und in Ermangelung einer Katze mußte Mucha seine ergatterten Biere an Ort und Stelle austrinken. Bei der Gelegenheit erfuhr er alles über „den größten Sohn des Dorfes, nein, der Region, des Landes, der gesamten östlichen Hemisphäre“. – Zehn Jahre später recherchierte er in der Ostslowakei für den Film „Absolut Warhola“.
Irgendwie scheint das Museum in Medzilaborce fehl am Platz. Ungewöhnliche Schätze kann man hier sehen – neben 17 Originalen zum Beispiel auch Andy Warhols Brille, seine erste Polaroidkamera und sogar sein Taufkleidchen. Doch das Haus ist nicht der große Publikumsmagnet: Das Gebäude ist marode, schlecht isoliert, das Dach undicht. Trotzdem kein Zutritt für Roma mit der Begründung,  sie seien zu schmutzig und würden stehlen, was nicht niet- und nagelfest ist – reichlich Konfliktstoff also in dieser bitterarmen Region mit 30 % Arbeitslosigkeit.
Stanislaw Mucha lässt vor allem die Warhol-Verwandtschaft zu Wort kommen: Vettern, Cousinen und Tanten von Andy Warhol, der niemals hier war und zu dem sie doch ein ganz besonderes Verhältnis haben. Stolz sind sie auf ihn, obwohl sie lange Zeit nur wussten, dass er „Maler“ war, was für sie eigentlich bedeutete: Häuser anstreichen. Sehr freimütig sprechen sie darüber, dass sie mit Warhol-Geschenken ganz sorglos umgegangen sind: Bilder verschimmelten auf dem Dachboden oder wurden den Kindern zum Spielen gegeben, bemalte Schuhe wurden aufgetragen, bis sie von den Füßen fielen – inzwischen ist ihnen klar, dass sie ein Vermögen verschleudert haben. Bis heute können sie allerdings überhaupt nicht verstehen, dass Andrijku niemals geheiratet hat, und die Vorstellung gar, er sei homosexuell gewesen, hat in ihrem Mikrokosmos gar keinen Platz – nein, „so einer“ kann Andy keinesfalls gewesen sein …

Absolut Warhola
Kinowelt, 2008
1 DVD (77 Min.) : farb.
Orig.: Deutschland, 2001

Tipp von Juliane Buff

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