Archiv für den Monat Juni 2011

Auszubildende/r gesucht!

Zum 1.8.2012 suchen wir eine/n Auszubildenden als Fachangestellte/r für Medien- und Informationsdienste, Fachrichtung Bibliothek. Voraussetzung für die 3-jährige Ausbildung ist ein guter Hauptschulabschluss oder die Fachoberschulreife.
Die Ausbildung erfolgt im Rahmen des dualen Ausbildungssystems in der Stadtbücherei Soest und der Berufsschule (Karl-Schiller-Kolleg Dortmund).
Ihre Bewerbung richten Sie bitte bis zum 30.7.2011 an
Stadt Soest – Abteilung Personal, Organisation und Recht –

Postfach 2252, 59494 Soest

http://www.soest.de/aktuell/stellenangebote/2011_06_10_auschr_2012.pdf

Weitere Informationen über den Beruf und die Ausbildung zum „FaMi“:
Bundesagentur für Arbeit, BERUFENET
Berufsverband Information Bibliothek e.V.
FaMi-Portal

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Wochentipp: „Mitmach-Buch“ von Hervé Tullet

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Dieses Bilderbuch ist ein echter Hingucker, obwohl es nur aus einigen verschiedenfarbige Punkten und ein wenig Text besteht.
Es löst beim Betrachter Begeisterung und Staunen aus und animiert zum aktiven Handeln.

Der experimentierfreudige H. Tullet gibt auf jeder Seite freundliche Anweisungen wie „Drücke auf den gelben Kreis.“ oder „Super! Kannst du das Buch jetzt ein bisschen schütteln?“. Auf der nächsten Seite verändern sich dann Farbe, Anzahl, Anordnung, Größe oder Hintergrund der Kreise. Diese Überraschungseffekte machen neugierig auf mehr. 

Ein Vergleich mit L. Lionnis Klassiker „Das kleine Blau und das kleine Gelb“ liegt nahe. Tullets Mitmachbuch geht es jedoch nicht um eine verschlüsselte Botschaft, sondern um pure Freude an Farbe und Zauberei. Die einfache Idee mit großer Wirkung kann Kinder zum Nachbasteln motivieren. Kurze klare Anweisungen erfordern räumliches Denken und Kenntnisse über Richtung und Anzahl, sie regen zum „handgreiflichen“ aber vorsichtigen Umgang mit dem Buch an.

Beim Vorlesen empfiehlt sich nur ein Zuhörer, der in Ruhe agieren darf. Das Buch eignet sich für kleine Leser ab 4 und auch Grundschüler werden noch ihren Spaß daran haben.

Tullet, Hervé:
Mitmachbuch
Freiburg i. Br.: Velber, 2011
[30] Bl.  überw. Ill. (. farb.) 

Wochentipp von Barbara Beine

Wochen-Tipp: „Gute Geister“ von Kathryn Stockett

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Mississippi, Anfang der 60-er Jahre: In der Kleinstadt Jackson trifft sich das Damenkränzchen um die tonangebende Miss Hilly zum Bridge und veranstaltet Wohltätigkeitsveranstaltungen zugunsten hungernder Kinder in Afrika – daß sie aber ihre farbigen Hausangestellten unwürdig behandeln, steht dabei für sie nicht im Widerspruch. Als Hilly eine Initiative in Gang setzt, getrennte Toiletten für Weiße und Farbige möglichst in jedem Haushalt einzurichten, schlägt ihre Freundin Skeeter einen anderen Weg ein. Als einzige ist sie mit 23 Jahren noch nicht verheiratet, was ihren Eltern und Freundinnen Sorgen macht. Aber eigentlich ist es Skeeters Traum, Schriftstellerin zu werden. Ihr zweiter Kummer ist das spurlose Verschwinden ihres früheren Kindermädchens Constantine – und niemand will mit ihr darüber sprechen. Um ihrem Leben einen Sinn zu geben, beginnt Skeeter unter höchster Geheimhaltung ein Buchprojekt: Sie will farbige Hausangestellte über ihre Lebensbedingungen befragen. Das hat sie sich einfacher vorgestellt als es ist, denn diese Äußerungen können in Zeiten der Segregation und des Ku-Klux-Klans für die farbigen Frauen existenz- und sogar lebensbedrohlich sein.  Doch die 52-jährige Aibileen, die im Laufe ihres Lebens 17 weiße Babys aufgezogen hat wie ihre eigenen Kinder, und die 17 Jahre jüngere Minnie, die das Herz auf dem rechten Fleck und ein gefürchtetes Mundwerk hat, machen nach anfänglichen Bedenken mit. Die drei Frauen wollen etwas verändern, und dazu brauchen sie viel Kraft und Mut.
Kathryn Stockett erzählt abwechselnd aus der Perspektive ihrer drei Protagonistinnen, die einem dabei ganz nah kommen und sympathisch werden. Das etwas pilcherige Buchcover hält zum Glück nicht, was es verspricht!

Stockett, Kathryn:
Gute Geister
München: btb, 2011
604 S.

Tipp von Juliane Buff

Rittergeschichten – rechts die mit Gespenstern, links ohne Gespenster

Nun dauert es nicht mehr lange, bis wir in das schöne Haus an der Severinstraße zurückziehen dürfen: nur noch wenig mehr als 3 Monate. Darauf freuen wir uns schon, aber es gibt bis dahin auch noch viel zu tun – zum Beispiel muß der im Kolpinghaus ausgelagerte Bestand noch ordentlich aufgeräumt werden. Dabei fiel mir gestern ein schönes Buch in die Hand, das sich mit der Lebensweise des Bildungsbürgertums im 18. und 19. Jahrhundert beschäftigt.
Ende des 18. Jahrhunderts beklagte man allgemein die aufkommende „Lesewut“, die man für gefährlich und ansteckend hielt. Heinrich von Kleist berichtet über einen Besuch in der Würzburger Lesebibliothek im Jahr 1800:

„Wir wünschen ein paar gute Bücher zu haben.“ – Hier steht die Sammlung zu Befehl.
„Etwa von Wieland.“ – Ich zweifle fast.
„Oder von Schiller, Goethe.“ – Die möchten hier schwerlich zu finden sein.
„Wie? Sind alle diese Bücher vergriffen? Wird hier so stark gelesen?“ – Das eben nicht.
„Wer liest denn hier eigentlich am meisten?“ – Juristen, Kaufleute und verheiratete Damen.
„Und die unverheirateten?“ – Sie dürfen keine fordern.
„Und die Studenten?“ – Wir haben Befehl ihnen keine zu geben.
„Aber sagen Sie uns, wenn so wenig gelesen wird, wo in aller Welt sind denn die Schriften Wielands, Goethes, Schillers?“ – Halten zu Gnaden, diese Schriften werden hier gar nicht gelesen.
„Also Sie haben sie gar nicht in der Bibliothek?“ – Wir dürfen nicht.
„Was stehn  denn eigentlich für Bücher hier an diesen Wänden?“ – Rittergeschichten, lauter Rittergeschichten, rechts die Rittergeschichten mit Gespenstern, links ohne Gespenster, nach Belieben.
„So, so.“

Sehr viel hat sich nicht verändert seit 200 Jahren, nicht wahr?

Wochen-Tipp: „Fegefeuer“ von Sofi Oksanen

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Estland, 1992: Ein Jahr nach der Befreiung von sowjetischer Besatzung findet die alte Estin Aliide Truu in ihrem kleinen Bauerngarten ein völlig abgerissenes, ganz erschöpftes Mädchen. Zara spricht ein altertümliches Estnisch – und sie ist nicht zufällig hier. Aufgewachsen ist sie in Wladiwostok, hat sich von den Verlockungen des Westens verblenden lassen und ist in Berlin zur Prostitution gezwungen worden. Immerhin ist es ihr gelungen, auf der Flucht vor ihren Zuhältern in Estland den Heimatort ihrer Großmutter zu finden. Was Aliide noch nicht ahnt: Ihre Schwester Ingel, die vor Jahrzehnten mit ihrer kleinen Tochter deportiert wurde, ist Zaras Großmutter. Mit Zara kommt die Angst – die Erinnerung an die Kriegs- und Nachkriegszeit, an Terror, an Liebe und eigene Schuld. Eifersucht auf ihre Schwester hat Aliides Leben geprägt, nun muß sie sich mit der Vergangenheit und neuen Bedrohungen auseinandersetzen.
Was es mit der Fliege auf sich hat, die das (nicht zufällig lilafarbene Buchcover) zeigt und die immer wieder symbolhaft durch den Text schwirrt, erschließt sich dem Leser erst ganz am Schluß dieses unglaublich packenden und intensiven Buchs der estnisch-finnischen Autorin.

Oksanen, Sofi:
Fegefeuer : Roman
Köln: Kiepenheuer & Witsch, 2010
395 S.

Tipp von Juliane Buff

100. Bibliothekartag in Berlin

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Unter den über 4000 Teilnehmern des 100. Bibliothekartags in Berlin mit  dem Motto „Bibliotheken für die Zukunft“ – Zukunft für die Bibliotheken“ waren auch 3 aus Soest, um sich über das Neueste aus der Bibliothekswelt zu informieren. Alexandra Eckel, Juliane Buff aus der Stadtbücherei und Gero Sliwa aus der EDV-Abteilung der Stadt Soest interessierten sich besonders für neue technische Entwicklungen und Softwarelösungen, aber wir bekamen auch Anregungen auf anderen Gebieten. Vollkommen überfüllt waren die Fachvorträge zu den Themen „Vom Bürgerschaftlichen Engagement bis zum Ehrenamt“ (aber trotzdem hat man noch ein Sitzplätzchen gefunden …) oder die ungewöhnlichen Veranstaltungen der „Zukunftswerkstatt“ – daß innovative Methoden der Dateiablage dabei schon mal den Beginn des Vortrags ein bißchen verzögerten, konnte die gute Stimmung gar nicht beeinträchtigen.
Natürlich betätigten wir uns auch als Jäger und Sammler: Vom Frühstücksbrettchen über das „Note-Book“ der allerallerersten Generation bis zum Desinfektions-Spray war da manches zu haben. Hungern und dursten mußte man auch nicht – großzügig wurden wir bewirtet mit Berliner Weiße, fruchtigen Cocktails und einer etwas seltsamen Berliner Variante der Currywurst. Sehr gut verstehen sich die Berliner Köche dagegen auf etwas, das „Bulette“ heißt. Das Rahmenprogramm war umfassend – manche Kollegen sahen allerdings nach der ganz Langen Nacht der Berliner Bibliotheken am Donnerstag früh doch etwas mitgenommen aus. Wir haben alles sehr genossen und in der Hauptstadt neuen Antrieb bekommen. Dank auch an Gero Sliwa für ein kühles Bier am Alexanderplatz!

Wochentipp „Tschernobyl Baby“ von Merle Hilbk

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Aus aktuellem Anlass bin ich auf diese Reportage aufmerksam geworden.
Die Journalistin Merle Hilbk ist in die Sperrzone um Tschernobyl gereist. Sie ist nicht die einzige, die von weit her kommt, es gibt auch andere, die es an diesen Ort zieht, nicht nur Wissenschaftler und Forscher, auch „Touristen“, die es „cool“ finden, eine solch makabere Sightseeing-Tour zu machen. Der junge Wachmann hat schon ein bisschen englisch gelernt „I wish you…good time…in our ChernobylZone“. Es gibt Reiseunternehmen, die Touren in die verstrahlte Zone samt Dolmetscher und Geigerzähler veranstalten…
Es gibt aber auch Menschen, die die Not dorthin geführt hat, Plünderer kommen, die Baustoffe und Hauseinrichtungsgegenstände holen, Dinge, die zurückgelassen wurden, weil sie völlig verstrahlt sind und weil die Bewohner 1986 schnell flüchten mussten. Flüchtlinge aus den Bürgerkriegsregionen im Kaukasus finden sich ein. Die Arbeitsplätze, die es noch oder wieder gibt, sind begehrt, weil es mehr Freizeit dafür gibt und man früher in Rente gehen kann.
In der Ukraine versucht die Regierung, auf jede erdenkliche Weise aus dem GAU Kapital zu schlagen (z.B. Hilfsgelder aus dem Ausland) , ohne dass etwas davon bei den vom Unglück betroffenen ankommt.
In Belarus (Weißrussland) ist circa ein Drittel des Landes verstrahlt worden. Die Regierung Lukaschenko versucht dort alles, die Katastrophe vergessen zu lassen, wer zu viel darüber spricht, wird vom Geheimdienst verfolgt. An den Unfall  soll nicht mehr erinnert werden. Belarus hat den Bau seines ersten AKW beschlossen!
Merle Hilbk lernt die Studentin Mascha kennen, die früher als eines der „Kinder von Tschernobyl“ in einer deutschen Gastfamilie gewohnt hat. Sie begleitet die Journalistin auf ihrer Reise als Dolmetscherin, zum Teil wird auch aus Maschas Perspektive berichtet.
Die Schicksale der Überlebenden der Katastrophe sind so abgrundtief traurig und erschütternd, sie haben Zwangsumsiedlungen, schwere Krankheiten, Tode ihrer Angehörigen, Ängste, Trennungen  und soziale Zerwürfnisse mitgemacht, ihre Regierungen haben sie betrogen, ihr Leben und ihre Beziehungen sind auseinander gebrochen, Verunsicherung und materielle Not bestimmen ihr Dasein.
Das Buch erzählt aber auch von großer Solidarität speziell aus Deutschland, von der Initiative „Kinder von Tschernobyl“. Diese Hilfe kam für die Menschen in der verstrahlten Zone sehr überraschend, da die Menschen in Belarus die Deutschen aus dem Zweiten Weltkrieg in schlechter Erinnerung haben.
Interessant ist auch der Rückblick auf die Stimmung in Deutschland nach dem Tschernobyl-GAU, die Erinnerung an große Angst und Wut, an Wiesen, auf denen auf einmal die Kühe fehlten, die Empfehlung, sich von Dosengemüse, Eiern aus Käfighaltung und Tiefkühlkost zu ernähren, bei Regen im Haus zu bleiben und an enormen Zulauf bei der Anti-AKW-Bewegung und große Demonstrationen.
Das ist lange her, aber der Unfall in Fukushima hat uns alle wieder daran erinnert, dass wir täglich mit diesem „Rest“-Risiko leben

Hilbk, Merle
Tschernobyl Baby : Wie wir lernten, das Atom zu lieben
Frankfurt am Main : Eichborn, 2011
275 S.
Tipp von Brigitte Weber