Archiv für den Monat Mai 2011

Wochentipp: „Der Junge, der Picasso biss“ von Antony Penrose

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Pablo Picasso nicht nur persönlich kennen gelernt, sondern auch gebissen zu haben – eine solche Anekdote hat nicht jeder zu berichten. Was wie ein schlichter Blick in ein ungewöhnliches Familienalbum anmutet, ist eine ernsthafte Auseinandersetzung mit der Arbeit des spanischen Künstlers und mit Kunst überhaupt.
 

Der Junge ist Tony (Antony) Penrose, heute über 60 Jahre alt, dessen Eltern mit dem berühmten Künstler befreundet waren. Antonys Vater ist der Schriftsteller und Kunsthistoriker Roland Penrose, seine Mutter die seinerzeit sehr bekannte Fotografin Lee Miller. 25 Fotos von ihr sind hier erstmals veröffentlicht; sie dokumentieren, wovon der Autor erzählt: einem Besuch Picassos auf der elterlichen Farm im südenglischen Sussex und Besuchen der Penroses bei Picasso in Südfrankreich. Er tut dies aus der Perspektive des Kindes, herzerfrischend, offen für alles, was er da sieht: z.B. Skulpturen, die unter Verwendung von Alltagsgegenständen und altem Krempel entstanden (und von denen einige hier vorgestellt werden). So gibt der reich mit Abbildungen von Kunstwerken und persönlichen Fotos ausgestattete Band auch Einblick in Picassos Arbeit.

Die hohe Authentizität des Textes und der spezifische Blick auf die Kunst bietet auch Kindern ohne große Erfahrungen und Kenntnisse einen ebenso einfachen wie raffinierten Zugang zur Deutung von Kunstwerken.

Dieses Buch wurde für den diesjährigen „Deutschen Jugendliteraturpreis – Kategorie Sachbuch“ nominiert und besitzt meiner Ansicht nach gute Chancen den Preis zu gewinnen. Die Preisverleihung findet am 14. Oktober 2011 auf der Frankfurter Buchmesse statt. 

Penrose, Antony:
Der Junge, der Picasso biss
München: Knesebeck, 2010
47 S. überw. Ill. (überw. farb.) 

Tipp von Barbara Beine

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„Im Herz des Mörders“ von J.D. Robb

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Wenn man einmal ein Buch von J. D. Robb alias Nora Roberts gelesen, kommt man nicht mehr davon los. „Das Herz des Mörders“ ist ein genauso packender Thriller, wie die Bücher um Lieutenant Eve Dallas zuvor.

Ihre Assistentin Peabody befindet sich im Prüfungsstress und auch ansonsten bekommt Dallas keine Ruhe. Ein neuer Serienkiller treibt sein Unwesen in New York und richtet sich mit seinen Taten ganz direkt an Dallas, indem er bei seinen Opfern an sie adressierte Briefe zurücklässt. Der Täter hat kein eigenes Profil, sondern kopiert berühmte Mörder der vergangenen Zeit. An den Tatorten hinterlässt er keinerlei Spuren, sodass der einzige Hinweis auf ihn zunächst das Briefpapier zu sein scheint. Bei der Überprüfung der Käufer eines solchen Papiers wirbeln Dallas und ihre Kollegen viel Staub auf – denn es sind allesamt hochangesehene  Männer, von denen jedoch jeder sein dunkles Geheimnis hat. Dallas und Peabody müssen nun schnellstens den Killer fassen, bevor noch weitere – scheinbar wahllos ausgewählte – Frauen sterben müssen. Denn nach welchem Schema sucht er seine Opfer aus? Und was ist sein Motiv? Frauenhass? Unerfüllte Liebe? Oder – der Klassiker – nicht verarbeitete Probleme aus der Kindheit? Diesen Fragen müssen sich Dallas und Peabody stellen, um den Mörder aus der Reihe der Verdächtigen herauszufinden. 

Spannend, unterhaltsam und mit vielen sarkastischen Dialogen gewürzt – die perfekte Mischung für einen Thriller, der im Jahr 2059 spielt.

Robb, J.D.: Das Herz des Mörders

München : Blanvalet, 2010

574 S.

Tipp von Fee

„Rachesommer“ von Andreas Gruber

 

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Der Krimi hat seinen Anfang in Wien. Vier wohlhabende Männer im besten Alter sterben innerhalb kürzester Zeit unter ähnlichen Umständen. Die Polizei nennt es „tragische Unfälle“. Die Anwältin Evelyn Meyers, die sich mit einem der sogenannten Unfälle aufgrund einer Klage befasst, glaubt nicht an Zufall. Bei ihren Recherchen mithilfe ihres Freundes Patrick stößt sie auf einige Gemeinsamkeiten.
Blickpunkt Leipzig. Mehrere Jugendliche, allesamt Insassen psychiatrischer Kliniken, sollen Selbstmord begangen haben. Kommissar Pulaskis Misstrauen ist geweckt, er beginnt zu ermitteln. Von den eigenen Leuten bekommt er wenig Unterstützung und ihm begegnen bei seinen Ermittlungen zuhauf Zweifler. Auch das Personal der Kliniken ist über seine „Schnüffelei“ in den „Selbstmorden“ nicht gerade begeistert.

Seine Nachforschungen bringen ihn mit Evelyn Meyers zusammen und ihre gemeinsame Spur führt sie bis zur Nordsee, wo sie einem gut gehüteten Geheimnis auf die Schliche kommen.

„Rachesommer“ ist ein unglaublich kurzweiliger und spannender Krimi! Kurzweilig bedeutet bei manchen Büchern ja leider, dass die Geschichte ohne Tiefgang bleibt, Handlungsstränge verdichtet werden oder die Beschreibung der Personen und ihre Beziehungen zueinander zu kurz kommen.

Ich war positiv überrascht, dass dies alles nicht auf „Rachesommer“ zutrifft. Ab den ersten paar Seiten weiß man, dass in diesem Buch mehr drinsteckt. Die Geschichte verfolgt zunächst zwei Handlungsstränge und man kann es als Leser kaum erwarten, wann die beiden Protagonisten mit ihren Erkenntnissen endlich aufeinander treffen. Man selbst kann sich schon das ein oder andere zusammenreimen und ist über das Ende somit nicht unbedingt überrascht, was den Lesespaß aber nicht schmälert.

Meyers und Pulaski sind darüber hinaus zwei unglaublich sympathische „Ermittler“, ohne dass es durch den Tod von Pulaskis Ehefrau oder durch die schlimmen Ereignisse, die Meyers als Kind selbst erlebt hat, ins klischeehafte abdriftet.

Diesen Krimi könnte man sich gut als Verfilmung vorstellen. Authentische Hauptpersonen, interessante und abwechslungsreiche Schauplätze und ein Showdown, wie er im Buche steht.

Wirklich empfehlenswert als Lesestoff!

 

Gruber, Andreas : Rachsommer 

München: Goldmann, 2011

418 Seiten

 

Tipp von Fee

Wochen-Tipp: „Adams Erbe“ von Astrid Rosenfeld

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Berlin, 2004: Um ihre Geschichte vor dem Verschwinden zu bewahren, erzählt Edward Cohen in einem langen Brief an Amy, die unwiderbringlich nach England abgeflogen ist, von seinem Leben. Edwards Vater ist ein unbekannter Schwede, er lebt mit seiner Mutter bei den Großeltern. Besonders Großvater Moses scheint verstört zu sein durch die unheimliche Ähnlichkeit des Jungen mit seinem Großonkel Adam, über den allerdings nicht gesprochen werden darf. Als Edwards heiratsunwillige Mutter eines Tages doch mit dem unwiderstehlichen, Elvis-ähnlichen Abenteurer Jack die Ehe eingeht, sind Schule und Ausbildung für Edward kein Thema mehr. Erfolg hat er allerdings mit seiner Boutique „TEUER“, in der Gothic-Sorgenpüppchen – recht scheußlich anzusehende Stoffmonster“, von Edward spontan und nur halbbewußt zusammengeknuddelt – der große Verkaufsschlager sind. Als er nach dem Tod der Großmutter auf dem Dachboden die Aufzeichnungen seines Großonkels Adam findet, verändert das sein Leben.

Nun folgt die Geschichte Adams, der seinen Vater auch nicht kannte: im 1. Weltkrieg physisch und psychisch versehrt, schließt der sich ständig in seinem Zimmer ein und sieht niemals seine Kinder Moses und Adam. Die lebenskluge und energische Großmutter Edda hält alle Sorgen von der Familie fern, auch als das Dritte Reich beginnt. Zusammen mit Adam schneidet sie Bilder der neuen Machthaber aus den Zeitungen aus, und beide üben sich darin, in den Gesichtern zu lesen. Edda ist überzeugt, daß Adolf (für sie nur „August“) ein Trinker ist – nur Säufer könnten auf solch verschrobene Ideen kommen. In Sturmbannführer Bussler hat sie einen treuen Verehrer, der ihr bedingungslos ergeben ist. Als Adam fest entschlossen ist, dem Mädchen Anna, das als polnische Jüdin verschleppt wurde, nach Polen zu folgen, verschafft Bussler dem jüdischen jungen Mann nicht nur arische Papiere, sondern auch eine Stelle als Rosenzüchter beim Generalgouverneur Dr. Hans Frank. Um der Liebe willen begibt sich Adam in die Höhle des Löwen – ein für alle Beteiligten lebensgefährliches Unternehmen, auch für die in Berlin zurückgebliebene Familie. – „Was wird man in hundert Jahren über diese Zeit sagen?“  fragt man sich im Warschauer Ghetto. „Was wir hier erleben, ist keine Naturkatastrophe, sondern das Werk von Menschen.“

Wie eine Familie über Generationen hinweg durch Krieg und Holocaust traumatisiert wird, wie vergangene Ereignisse das Schicksal der Menschen auch Jahrzehnte später noch beeinflussen, hat die Autorin ergreifend geschildert – ein überzeugendes Romandebüt.

 Rosenfeld, Astrid:
Adams Erbe
Zürich: Diogenes, 2011
384 S.

Tipp von Juliane Buff

Magazin-Ausleihe: Nur noch bis Dienstag, 24.5.2011

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Seit Januar ist ein großer Teil unseres Buchbestands ausgelagert – im Ausweichquartier Wilhelm-Morgner-Haus werden jetzt nur die aktuellsten Romane und Sachbücher, die gesamte Kinder- und Jugendbibliothek sowie alle AV-Medien angeboten.
Bisher haben wir auf Wunsch einmal pro Woche Bücher aus dem Magazinbestand besorgt. Leider ist dieser Transport aus personellen Gründen nun nicht mehr möglich, die eingelagerten Bestände werden erst wieder ab Oktober im neu gestalteten Gebäude an der Severinstraße verfügbar sein.
Bitte geben Sie uns Ihre Buch-Wünsche bis spätestens Dienstag vormittag, 24.5.2011 bekannt.

Wochen-Tipp: „Sarah packt für Christo eine Liwanze ein“ von Sarah Wiener

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Die beliebte Köchin Sarah Wiener hat schon allerlei ausprobiert. In diesem Büchlein erzählt sie Geschichten aus ihrem Leben – aus der Kindheit, von ihren abenteuerlichen und mühseligen Anfängen beim Film-Catering, dem ersten Versuch, sich selbsständig zu machen und von Begegnungen mit Prominenten, die sie bekocht hat: Palatschinken für Maximilian Schell, eine im blauen Müllsack verpackte Liwanze für den Verpackungskünstler Christo, Pasta für Tobias Moretti oder das Bankett „Arm-Reich“ mit dem Schweizer Künstler Daniel Spoerri. Dazu liefert sie die passenden Rezepte und macht überhaupt Lust auf gesundes Essen. Das schmeckt!

Wiener, Sarah:
Sarah packt für Christo eine Liwanze ein : Geschichten aus der Küche
Berlin: Berliner Taschenbuch-Verl. 2008
109 S. : Ill.

Tipp von Juliane Buff

„Bernie & Chet“ von Spencer Quinn

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Krimis mit Tieren können gut oder eine Enttäuschung sein. In diesem Fall ist es dem Autor sehr gut gelungen, einen kurzweiligen und spannenden (Hunde-) Krimi zu schaffen, mit Bernie Little, einem Privatdetektiv und Chet, seinem Hund. Das Buch ist ein klassischer Detektivroman, der ohne blutige Grausamkeiten und übertriebene Gewalt auskommt. Hund Chet führt den Leser durch die Geschichte – aus seiner Sicht wird der Krimi erzählt. Nachdem Bernie zuletzt nur Aufträge in Sachen Scheidung bekommen hat, wo er doch selbst seine eigene gerade erst hinter sich hat, freut er sich schon fast als eines Tages eine Frau ihn damit beauftragt, ihre verschwundene Tochter Madison wiederzufinden. Während Bernie mit der Mutter Madisons Zimmer untersucht, taucht das Mädchen jedoch von alleine wieder auf. Für den Privatdetektiv scheint sich der Fall erledigt zu haben. Kurze Zeit später verschwindet sie jedoch wieder und Bernie und Chet nehmen die Ermittlungen auf. Besonders als die beiden den Vater von Madison befragen, wittert nicht nur Chet, dass noch viel mehr hinter der Sache steckt. Allen Hindernissen zum trotz und auch ohne die Zustimmung der Eltern bleiben die beiden an dem Fall dran und entlarven die Täter. Es warten viele spannende Zufälle und echte Ermittlungen auf den Leser. Durch die Schilderung aus der Sicht von Chet bleibt der Krimi immer interessant und man wird an  manchen Stellen sicherlich schmunzeln, wenn Chet über die Aussprüche von Bernie nachdenkt, die aus Hundesicht so gar keinen Sinn machen. Wer zwischendurch einen guten unterhaltsamen Krimi lesen will, dem sei dieses Buch ans Herz gelegt. 

Quinn, Spencer: Bernie & Chet
München : Penhaligon , 2011
350 S.

Tipp von Fee