Archiv für den Monat März 2011

Wochentipp: „Wie man unsterblich wird : Jede Minute zählt“ von Sally Nicholls

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Sam, der 11jährige Held dieses Buches und sein Freund Felix sind unheilbar krank. Sie haben Leukämie.
Sie sind so schwer krank, dass sie nicht mehr zur Schule gehen können, sondern zuhause von einer Privatlehrerin – Mrs. Willis – unterrichtet werden. Das ist ein Glück für die beiden, denn Mrs. Willis ist eine Frau mit viel Humor und Verständnis, sie ist geistig jung geblieben, experimentiert gerne und versteht unter Lernen nicht Pauken. Eines Tages schlägt sie den beiden vor, über sich zu schreiben.
Sam stellt Listen auf, eine davon mit den Dingen, die er noch gerne machen möchte: Er möchte z.B. ein Gespenst sehen, er möchte einen Horrorfilm sehen, er möchte Dinge tun, die Teenager eben so machen, wie rauchen, Alkohol trinken, eine Freundin haben. Es gibt auch Wünsche, die sehr schwer erfüllbar sind, z.B. die Erde vom Weltall aus sehen.
Er sucht auch Antworten auf Fragen, die bei den Erwachsenen in seiner Umgebung nur ausweichende oder stereotype Reaktionen hervorrufen, z.B. woher weiß man, dass man gestorben ist? Eine wichtige Frage ist: Wieso lässt Gott Kinder krank werden?
Die Freunde forschen im Internet nach. Sie streiten sich, welche Antworten ihnen plausibel erscheinen, aber sie tragen unvoreingenommen zusammen, was sie finden, z.B. Berichte über Nahtoderfahrungen und lassen alles, was sie finden, einfach nebeneinander stehen, egal, ob es ihnen richtig erscheint oder nicht. Schließlich möchte Sam später – falls es ein „Später“ gäbe – einmal Forscher werden, der parapsychologische Phänomene untersucht.
Da nicht mehr viel Zeit bleibt, fangen Sam und Felix an, die Wunschliste abzuarbeiten, egal, wie schwierig manches davon zu sein scheint (z.B. einen Weltrekord aufstellen). Ihr Erfindungsgeist lässt sie dabei scheinbar unüberwindbare Hindernisse überwinden, wenn Sam zögert, spornt ihn der ältere und frechere Felix an. Die beiden sind ein unwiderstehliches und bewundernswert tapferes Gespann voller Neugierde und Lebensenergie. Ihnen ist sehr bewusst, dass es keine Zeit zu verlieren gibt, dass sie nicht auf die Erfüllung ihrer Wünsche in der Zukunft warten können, sondern dass es nur das Jetzt gibt.
Sams Eltern sind zunächst völlig hilflos, die Mutter reagiert überbesorgt, während der Vater versucht zu verdrängen. Er möchte einfach nichts davon wissen, dass sein Sohn schwer krank ist. Es kommt wegen der unterschiedlichen Positionen auch öfter zu Streit zwischen den Eltern.
Sams kleine Schwester Ella kann viel besser mit der Situation umgehen, weil sie nicht so voll mit den Ängsten der Erwachsenen ist, und so ist sie ihm da manchmal näher als Vater oder Mutter, die ihn eher noch zusätzlich belasten.
Doch irgendwann begreifen auch die Eltern, dass Sams Leben zu Ende geht, dass alles, was sie noch tun können, ist, ihm das Leben noch so schön und erfüllt wie möglich zu machen. Und so finden alle in der Familie auch wieder zueinander und sind manchmal richtig glücklich.
„Wie man unsterblich wird“ ist ein Jugendroman, ich glaube aber nicht, dass viele Jugendliche für das Thema offen sind und es aus eigenem Antrieb lesen würden. Ich könnte es mir gut als Lektüre für den Religions- oder Ethikunterricht vorstellen. Aber es ist auch für Erwachsene bereichernd, es zu lesen. Es ist sehr anrührend, voll Humor und Witz, aber auch tieftraurig und nachdenklich stimmend, und niemals ist es sentimental.
Am Ende hatte ich ganz vergessen, dass nicht „Sam“ das Buch geschrieben hat, sondern die junge englische Autorin Sally Michels. Dieses „Tagebuch“ ist ihr Debüt als Schriftstellerin.

 Nicholls, Sally:

Wie man unsterblich wird : Jede Minute zählt

München : Hanser, 2008

197 S.

Tipp von Brigitte Weber

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Wochen-Tipp: „Sophies Crèpes und Pfannkuchen“ von Sophie Dudemaine

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Ich möchte Ihnen das neue Kochbuch von Sophie Dudemaine vorstellen, es ist bestimmt eine Herausforderung für Pfannkuchen-Liebhaber. Sophie Dudemaine hat in diesem Buch 80 verschiedene Rezepte aus Pfannkuchenteig gezaubert. 
Mit viel Liebe und Fantasie sind daraus abwechslungsreiche
Köstlichkeiten geworden, die nicht nur Kindern schmecken.
Sie sind sogar so anspruchsvoll kreiert, dass diese netten gerollten oder gefüllten Crèpes auch auf dem Buffet für Begeisterung sorgen.
Sophie Dudemaine hat bei den Sterneköchen Daguin, Vigato und Faugeron gelernt, ist Moderatorin einer angesagten Kochsendung und eine erfolgreiche Kochbuchautorin. 

Nun wünsche ich viel Spaß beim Kochen!
 

  • Gebundene Ausgabe: 160 Seiten
  • Verlag: Gerstenberg Verlag; Auflage: 1. Auflage (28. Juni 2010)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3836926350
  • Tipp von Ingrid Koch

    Wochen-Tipp: DVD „Valo & Ville“

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    Ein ausgezeichneter Film über das Leben im russisch besetzen Finnland zu Beginn des 20. Jahrhunderts.

    Aus politischen Gründen wird der neunjährige Valo mit seinem Vater in ein kleines finnisches Dorf umgesiedelt. Zwei Jahre sollen der Schornsteinfeger und sein Sohn hier unauffällig leben.
    Schnell freundet sich Valo mit Ville, dem Sohn des Dorfpolizisten an, der von seinem trunksüchtigen Vater misshandelt wird. Daraufhin beschließt Valo, gegen all das Unrecht, das die Erwachsenen den Kindern antun zu kämpfen.

    Zunächst erhält er auch Unterstützung durch die Schullehrerin. Doch die Schule wird geschlossen.

    Daraufhin beschließen Valo und Ville selbst eine Schule zu gründen. Heimlich unterrichten sich die Kinder gegenseitig. Doch sie haben keine Ahnung, wie gefährlich das für sie wird…

    „Valo und Ville“ ist eine wahre Geschichte!

    Abenteuer, 84 Min.

    FSK ab 6 freigegeben

    Regie: Kaija Juurikkala

    Darsteller: Vili Järvinen, Joni Kehusmaa, Sara-Maria Juntunen

    Tipp von Iwona Plonus

    Wochen-Tipp: „Verirren“ von Kathrin Passig und Aleks Scholz

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    Wie kann man sich heutzutage trotz Google Maps und den angesagten Navigationshilfen, Ratgebern und Landkarten heutzutage überhaupt noch qualifiziert verirren? Kaum jemand beherrscht es richtig, meinen Kathrin Passig und Alkes Scholz und beschreiben die vielen Vorteile der Orientierungslosigkeit:

    • Verirren spart Zeit,
    • Verirren ist Urlaub,
    • wer sich verirrt, entdeckt die Welt,
    • wer sich verirrt, lebt länger,
    • Karte und Kompass sind Anfängerwerkzeuge,
    • Orientierung ist eine Illusion.

    Verirren ist überall möglich, man muss dazu gar nicht mit Extrem-Bergsteigen anfangen – Soest scheint ein sehr geeigneter Ort dafür zu sein! Dieses Buch bringt einen auf den Geschmack:  Die Autoren (Redakteure des Blogs „Riesenmaschine„) erzählen von teils lustigen, teils lebensgefährlichen Verirr-Situationen, berichten von historischen Ereignissen und regen vor allem dazu an, sich mit der Orientierungslosigkeit anzufreunden. Sie sind der Meinung, dass Verirren ein natürlicher Teil der menschlichen Existenz ist, und fordern uns auf, unsere Wahrnehmung neu auszurichten und dabei möglichst viele Informationen aus der Umgebung wahrzunehmen: „Aushalten von Ungewissheit ist die Essenz des Verirrens. Es geht darum, „hier“ zu sein und sich nicht darüber zu sorgen, wo sich dieses „hier“ befindet, die Zweifel über die inneren Landkarten nicht mühsam zu unterdrücken, sondern mit ihnen zu leben, oder mehr noch: aus dem zweifel Befriedigung zu schöpfen.“ – Ein geistreiches Buch mit vielen überraschenden Ideen zu Problemlösungsstrategien und Einsichten in Erkenntnisprozesse.

    Passig, Kathrin und Aleks Scholz:
    Verirren : Eine Anleitung für Anfänger und Fortgeschrittene
    Berlin: Rowohlt Berlin, 2010
    268 S. : Kt.

    Tipp von Juliane Buff