Archiv für den Monat Mai 2010

Wochen-Tipp: „Wesley oder Wie eine Eule mein Herz eroberte“ von Stacey O’Brien

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Die meisten Haustierbesitzer sind davon überzeugt, dass ihre Tiere Gefühle ausdrücken und wahrnehmen und eine Seele haben. Wissenschaftler dagegen haben sich eher zögerlich auf dieses Gebiet begeben, aber auch sie zweifeln heute nicht mehr daran, dass Tiere – nicht nur Primaten – Empfindungsvermögen haben.

Die Biologin Stacey O’Brien kennt natürlich das Problem: Es besteht die Gefahr, eigene Gefühle auf das Tier zu übertragen. Als Wissenschaftlerin am California Institute of Technology adoptiert sie eine 4 Tage alte Schleiereule, die wegen eines Nervenschadens am Flügel wohl niemals ausgewildert werden kann. Aber man will die Gelegenheit ergreifen, an diesem auf Stacey geprägten Vogeljungen das Verhalten der Schleiereulen genauer zu erforschen. Zu diesem Zeitpunkt ahnt Stacey noch nicht, worauf sie sich einlässt: 20 Jahre wird sie mit „Wesley“ zusammenleben, er gibt ihrem Leben eine Richtung. Sofort ist sie fasziniert von dem zarten Duft des Kükens, bald hat sie alle Hände voll zu tun mit der Aufzucht, für die sie ihren Tagesablauf vollkommen umstellt. Dazu muss man schon mehr als durchschnittlich tierliebend sein, allein die Beschreibung der Fütterung mit Mäusen (die unbedingt GANZ sein müssen, die es auch nicht immer tiefgekühlt zu kaufen gibt, die gelegentlich auch entwischen und nach Wesleys Meinung auch Stacey gut schmecken sollten) treibt einem den Schweiß auf die Stirn.

Als Wesley nach ein paar Tagen die Augen öffnet, ist es endgültig: „In seine Augen zu sehen, war, als schaute man in die Unendlichkeit, als sehe man in den Kosmos hinaus. Ich empfand es als eine zutiefst spirituelle Erfahrung, die während seines ganzen Lebens anhielt.“

Hinreißend berichtet sie von ihrer Beziehung zu dem Tier, von seinen ersten tapsigen Flugversuchen, von der Kommunikation, die sich in den langen Jahren mehr und mehr verbessert. Wesley wird auch zum Prüfstein bei ihren Beziehungen zu Männern, die dabei meist den Kürzeren ziehen, aber was macht’s – sie ist ja mit Wesley durchaus ausgelastet. Sie akzeptiert sogar, dass er ihre geliebten Zebrafinken jagt (obwohl ihm keine Euleneltern jemals so etwas beigebracht haben, vor lebenden Mäusen ängstigt er sich allerdings). Und seine bei Eulenvögeln ungewöhnliche Vorliebe für Wasser  macht eine Menge Arbeit: Herrlich sind die Schilderungen, wie Wesley das Badezimmer benützt und dort auch schon mal alles verwüstet, wenn er in die Toilettenschüssel hopst und dazu alles Papier von der Rolle verbraucht … und sich anschließend „stolz“ im Spiegel betrachtet. Da muss man schon so besessen sein, wie die Wissenschaftler am Caltech (Hogwarts nicht unähnlich, nicht nur wegen der durch die Gänge fliegenden Eulen): Dort züchtet man Schwarze Witwen, befasst sich lebenslang mit der Erforschung der Eierstöcke pazifischer Buntbarsche, dient selber als Lebensraum für Parasiten aus dem Amazonas-Regenwald oder übt Mund-zu-Schnabel-Beatmung an toten Finken (was Stacey eines Tages bei Wiederbelebungsversuchen an einem Hamster sehr zugute kommt).

Stacey nun hat die Eulen im Focus. Als ihre Großmutter stirbt, erfährt sie, dass diese nicht nur eine riesige Eulensammlung hatte, sondern selbst auch einmal eine verletzte Schleiereule namens „Weisel“ gehalten hatte. Das bindet sie womöglich noch mehr an ihren Wesley, der ihr schließlich sogar das Leben rettet: Als sie schwer erkrankt und daran denkt, sich das Leben zu nehmen, besinnt sie sich auf das Versprechen, das sie ihm gegeben hat – ihn nie zu verlassen. „Ich blickte in die Augen der Eule und beschloss zu leben.“ – Man ist verantwortlich für das, was man gezähmt hat, sagte ihr Vorgesetzter am Caltech schon am ersten Tag, denn die Worte von Saint-Exupéry treffen nicht nur auf kleine Prinzen und Füchse zu – „Il est très simple : on ne voit bien qu’avec le coeur. – Tu deviens responsable pour toujours de ce que tu as apprivoisé.“

O’Brien, Stacey:
Wesley oder Wie eine Eule mein Herz eroberte
München: Heyne, 2009
978-3-453-16544-1

Tipp von Juliane Buff

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Neuer Weblog: „Lesezeichen“

Seit Mai 2009 schreiben die Mitarbeiterinnen der Stadtbücherei Soest im Weblog der Stadtbücherei wöchentlich einen Tipp zu den Medien aus dem Bibliotheksbestand: Neues und Altes,  Romane, Sachbücher, Kinderbücher, Filme, CDs, Spiele – alles was uns gefällt.

Ein Tipp pro Woche – das reicht überhaupt nicht bei so vielen Büchern! Vielleicht haben Sie inzwischen schon Lust bekommen, auch einmal mitzuteilen, was Sie bei uns ausgeliehen und gelesen, gehört oder gesehen haben und wie es Ihnen gefallen hat. Im neuen Blog “Lesezeichen” können Sie als BenutzerIn der Stadtbücherei Soest nun selbst kleine Beiträge über Medien aus unserem Bestand veröffentlichen und mit anderen diskutieren.

Machen Sie mit! Wenn Sie im Blog “Lesezeichen” einen Beitrag veröffentlichen möchten, sprechen Sie uns an oder schreiben uns per E-mail (mail@stadtbuecherei-soest.de). Wir legen für Sie einen Zugang zum Blog als AutorIn an und Sie können sich sofort online beteiligen.

Ihre Beiträge können Sie uns auch hand- oder maschinenschriftlich einreichen.

Bücherbasar auf dem Vreithof am 29.5. von 9.00 bis 12.30 Uhr

Zu einem großen Bücherbasar lädt der Freundeskreis der Stadtbücherei am Samstag (29. Mai) ein. Zwischen 9 und 12.30 Uhr werden auf dem Vreithof zahlreiche Bücher zum Preis von nur 50 Cent angeboten. Zu den Schnäppchen gehören Romane, Sach- und Fachliteratur für Erwachsene (darunter aussortierte Reiseführer und Bildbände), Bilderbücher, Erzählungen, Sachbücher und Schulbücher für Kinder und Jugendliche.

Wer groß einkauft, erhält noch ein „Bonbon“. Denn wer zehn Bücher kauft, erhält ein elftes kostenfrei dazu. Mit den Einnahmen der Aktion finanziert der Verein neue Veranstaltungen und Aktionen rund um die Stadtbücherei.

Wochen-Tipp: „Einauge sei wachsam“ von Wolfgang Kramer und Michael Kiesling

einauge.jpgWer hat als Kind nicht davon geträumt, eine Schatzkarte zu finden und auf einer einsamen Insel einen großen Piratenschatz zu entdecken?

Mit dem Piratenspiel „Einauge sei wachsam“ kann der Traum endlich wahr werden: Die Spieler befinden sich auf den Spuren von Kapitän Einauge und sammeln auf Schatzinseln möglichst viele Reichtümer wie Dukaten, Säbel, Juwelen und Schatzkisten ein.

Man sammelt Juwelen, indem man Inselkarten mit Dukaten erwirbt oder mit Säbelkarten erkämpft. Immer, wenn man an eine weitere Inselkarte derselben Farbe anlegt, bekommt man den gesamten Ertrag an Säbeln, Dukaten und Juwelen aller bis dahin abgelegten Inselkarten dieser Farbe ausbezahlt. Schatztruhen werden erst am Ende des Spiels gewertet.

Das Spiel endet, sobald die im Kartenstapel versteckten Schiffskarten aufgedeckt werden. In der Schlussrunde kann jeder Spieler noch eine Karte erkämpfen, dann folgt die Schlusswertung: Säbelkarten, Dukaten und Schatztruhen kann man in Juwelen umtauschen und wer am Schluss die meisten Juwelen besitzt, gewinnt.

Bei dem spannenden Piratenspiel „Einauge sei wachsam“ der beiden Erfolgsautoren Wolfgang Kramer und Michael Kiesling ist der Name Programm! Denn wer hier nicht aufpasst und im richtigen Moment die besten Inseln erkämpft, wird es schwer haben, am Ende als Sieger dazustehen.

Auszeichnungen für dieses Spiel: Österreichischer Spielepreis „Hit für Familien“; Empfehlungsliste „Spiel des Jahres 2009“

Autor Spiele: Kramer, Wolfgang; Kiesling, Michael

Material: Karton/Papier 

Spieldauer: ca. 30 Minuten

Spielerzahl: 2 bis 5

Spielmotivation: Taktik und Spannung

 

Wochentipp von Barbara Beine

 

9. Juni, 16.30 Uhr: Fußballquizshow in der Stadtbücherei

Die Fußball-Experten

Am 9. Juni eröffnen wir in Soest die Fußball-Weltmeisterschaft!

Die Fußballexperten Felix Hoffmann und Mirko Siemssen sind wieder auf Tour mit ihrer Quizshow für Jungen und Mädchen im Alter von 8 bis 12 Jahren.
In einer multimedialen Show mit Vorlesegeschichten, Filmausschnitten, Radioreportagen, Fotos, Fangesängen und Musik müssen die Teilnehmer knifflige Fragen aus der Fußballwelt beantworten. Jedes teilnehmende Kind vertritt ein Land seiner Wahl, und wer sich in den einzelnen Raterunden durchsetzt, wird Fußball-Quizmeister des Tages. Zur Belohnung gibt es Kleingewinne und Buchpreise.

Die Moderatoren Felix Hoffmann und Mirko Siemssen leben als Autoren und Journalisten in Hamburg und sind seit fast 30 Jahren begeisterte Fußballfans.

Zur Vorbereitung empfehlen wir das Trainingslager auf der Internetseite www.fussballquiz.net!

Der Eintritt ist frei – kostenlose Eintrittskarten gibt es in der Stadtbücherei an der Information.

Fußballquiz

Wochentipp: Die ultimative Chartshow – die erfolgreichsten Filmhits aller Zeiten

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Die meisten werden vorallem die Sendung auf Sat.1 kennen, aber auch die CD ist es wert, sie sich an zu hören. Eine Liederzusammenstellung, die man einfach als Hintergrundmusik laufen lassen kann ohne weiterzuschalten. Neben sehr bekannten Titeln, die man immer mal wieder im Radio hört, finden sich auch weniger gespielte Hits, die aber nach dem ersten Hören gleich wieder direkt ins Ohr gehen.

Es gibt rockige Lieder, Lieder bei denen man einfach mitsingen muss und ruhige Stücke. Manchmal hat man beim Hören den Effekt, dass man sich genau an die Stelle im Film erinnern kann, an der das Lied gespielt wurde.

Zwar mögen manche sagen, dass wichtige Filmhits fehlen, aber alle bekommt man auch gar nicht zusammen. Von daher kann man diese CD als kleinen Ausschnitt sehen, der auf jeden Fall gute Laune beim Hören verbreitet!

Die ultimative Chartshow – die erfolgreichsten Filmhits aller Zeiten

Berlin: Universal, 2009

2 CD

Tipp von: Susanne Atorf

Wochentipp: DVD „Auf der Suche nach dem Gedächtnis“

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Der Hirnforscher Eric Kandel hat im Jahr 2000 den Nobelpreis für Medizin erhalten für die Entdeckung des Proteins, das eine Schlüsselrolle spielt bei der Speicherung von Erfahrungen aus dem Kurzzeit- ins Langzeitgedächtnis. Er hat herausgefunden, dass geistige Vorgänge beim Lernen anatomische Veränderungen im Gehirn bewirken.   
Die Dokumentarfilmerin Petra Seeger porträtierte Leben und Werk von Eric Kandel, den seine eigene Geschichte zur Erforschung des Gedächtnisses geführt hat: er musste mit 9 Jahren aus seiner Heimatstadt Wien vor den Nazis fliehen. Eine seiner prägenden Erinnerungen war sein 8. Geburtstag, an dem er ein blaues Modellauto geschenkt bekam. Wenige Tage später kam die Gestapo, verhaftete seinen Vater, einen jüdischen Spielwarenhändler, plünderte die Wohnung seiner Familie und nahm auch das blaue Auto mit.Sein letztes Jahr in Wien war für den 8jährigen Jungen traumatisch, mit 9 Jahren floh er dann mit seinem älteren Bruder in die USA.
Der Film begleitet Kandel und seine Familie auf ihrer Reise zu den Orten seiner Kindheit, zeigt seinen Alltag an der Columbia University in New York, gibt auch Einblicke in die Arbeitsweise unseres Gehirns, wir können direkt mitverfolgen, wie sich das Lernen in der Bildung neuer neuronaler Schaltkreise materialisiert.
Aber das Faszinierendste an diesem Film ist der Mensch Eric Kandel. Er hat eine ungeheuer sympathische und fröhliche Ausstrahlung, ist voller Lebensfreude und Humor. Als ich ihn bei der Nobelpreisverleihung neben den anderen Preisträgern sah, fiel mir besonders auf, wie sehr er sich von dem Klischee des ernsten trockenen Wissenschaftlers unterscheidet. Er wirkt so lebendig, frisch und offen, dass es an einem Menschen seines Alters wie ein Wunder wirkt, dazu noch an jemand, der in seiner Kindheit so furchtbare Erfahrungen machen musste. 
Sein unvergleichliches Lachen zu sehen ist allein schon ein Grund, sich diesen Film anzuschauen.

Auf der Suche nach dem Gedächtnis
Berlin: Absolut Medien, 2009
Sprache: Original mit Untertiteln
FSK: Ohne Altersbeschränkung
Regie: Petra Seeger
Spieldauer: 95 Minuten

Tipp von Brigitte Weber