Archiv für den Monat Oktober 2009

Wochen-Tipp: „Schwarzer Montag“

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Für den 14-jährigen Arthur Penhaligon beginnt sein erster Tag an seiner neuen Schule mit einer Katastrophe. Beim Sport erstickt er beinahe an einem Asthmaanfall und während er auf Hilfe wartet, erscheinen ihm zwei merkwürdige Gestalten, die ihm einen Schlüssel und ein geheimnisvolles Buch übergeben. Es wird ihm eröffnet, dass er der erwählte Erbe DES HAUSES ist, eines phantastischen Reichs, dessen Ordnung aus den Fugen geraten ist. Erschaffen von der Architektin, wird DAS HAUS nun von den Wochentagen regiert, die in ihrem Ehrgeiz die Grenzen überschritten haben, um ihre Herrschaft auf die Welt auszuweiten. Allein Arthur ist es vorbestimmt, diesem Vorhaben Einhalt zu gebieten. – Nach seiner Abhorsen-Trilogie, beginnt der Autor mit diesem Buch eine weitere mitreißende Fantasy-Reihe, die aber weniger grausam geschrieben ist. Er erschafft eine geniale Welt, in der Gott nicht nur eine Frau ist, sondern die Gegner des jungen Helden die personifizierten Wochentage sind, denen jeweils ein Buch gewidmet ist. Eine der originellsten Fantasygeschichten der letzten Jahre.

Einziger Wermutstropfen ist das misslungene Titelbild, das eher einem amerikanischen Fantasy-Film entsprungen zu sein scheint, in dem der Held mit seinen Fehlern, Ängsten und Schwächen in verfälschender Weise gegen einen gut aussehenden, durchaus sportlichen Schauspieler ausgetauscht worden ist. Da sind die von Daniel Erle geschaffenen Innenillustrationen, die einen ganz anderen Arthur zeigen, weitaus gelungener.
Die Titelcover der Folgebände wurden meiner Meinung nach viel besser ausgewählt und zeigen unter anderem die jeweiligen Wochentage in ihrer imposanten Erscheinung.

Man sollte sich also vom Cover nicht schrecken lassen: Schwarzer Montag ist beste Unterhaltung mit Witz und Phantasie. Für Leser ab 12 Jahren.

 

Nix, Garth:
Schwarzer Montag
Bergisch Gladbach: Ehrenwirth, 2006
349 S.
aus der Reihe: „Die Schlüssel zum Königreich“

Bisher erschienen in der Reihe „Die Schlüssel zum Königreich“ folgende Titel:

„Schwarzer Montag“
„Grimmiger Dienstag“
„Kalter Mittwoch“
„Rauer Donnerstag“
„Listiger Freitag“
„Mächtiger Samstag“

Ich kann es kaum erwarten, bis der letzte, abschließende Teil dieser Reihe erscheint. Der englische Titel  Lord Sunday, erscheint voraussichtlich im März 2010.

Tipp von Barbara Beine

 

 

 

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„Lesen bewegt – Gemeinsam 3.000 Schritte extra“: Buchausstellung

“Lesen bewegt - Gemeinsam 3000 Schritte extra”: Buchausstellung

Zum literarischen Spaziergang „Lesen bewegt – Gemeinsam 3.000 Schritte extra“ am Samstag, 24.10. um 19.00 Uhr haben wir eine Literaturliste angefertigt. Die ausgewählten Bücher sind in einer Ausstellung präsentiert und können ab Montag, 26.10. ausgeliehen werden.

Wochen-Tipp: „Der Himmel ist blau, die Erde ist weiß“ von Hiromi Kawakami

Der Himmel ist blau, die Erde ist weiß

Eine Geschichte wie aus vergangenen Zeiten, als das Wünschen noch geholfen hatte:
In einer Kneipe am Bahnhof trifft Tsukiko, Ende 30, zufällig ihren alten Japanischlehrer (ist es Zufall?). Zwar erkennt sie ihn nicht gleich und sie kann sich auch kaum an ihn erinnern, aber „der Opa“ fällt ihr immerhin auf, weil er dasselbe Gericht wie sie bestellt. Nicht einmal sein Name fällt ihr ein, also nennt sie ihn einfach „Sensei“ – Lehrer – und dabei bleibt es auch in der folgenden Zeit.

Diesem ersten Treffen folgen weitere, man verabredet sich nicht, sondern begegnet sich zufällig (ist es Zufall??) und unternimmt allerlei zusammen, es beginnt eine sehr distanzierte Freundschaft. Kann man sich vorstellen, daß daraus eine Liebesgeschichte werden soll? Wie an Fäden gezogen bewegen sich Tsukiko und der Sensei durch die Geschichte und der Leser muß ihnen einfach folgen. Mehr und mehr bewegen sie sich aufeinander zu und gehen dann wieder ihre eigenen Wege, als hätten sie unendlich viel Zeit für vorsichtige Annäherungen. Allmählich wird Tsukiko aber doch bewußt, wie sie bisher ihrem Leben eher teilnahmslos zugesehen hat und sich niemals auf Beziehungen einlassen konnte – die Angst vor Zurückweisung lähmt sie. Mit einem Mal bricht sie im Gefühl der Verlassenheit zusammen – in höchster Verzweiflung läuft sie hinaus in die Winternacht und versucht, ihre Einsamkeit durch ein Lied zu verdrängen. Aber außer einem Frühlingslied fällt ihr nur ein „Skifahrerlied“ ein: „Der Berge Silberweiß glänzt im Sonnenschein …“ singt sie, obwohl es ihr nicht ganz passend scheint. Zu ihrer eigenen Verwunderung kann sie sich sogar an den Text erinnern, die Konzentration hilft gegen den Kummer. Doch sie bringt es nur bis zur vorletzten Zeile zusammen: „Der Himmel ist blau, die Erde ist weiß …“ Ihr Gesang bewirkt nur, daß die Menschen einen Bogen um sie machen, und schon wollen ihr wieder die Tränen kommen – als sie den Sensei nach ihr rufen hört (ein zufälliges Zusammentreffen???), und er weiß den fehlenden Text …

Spätestens nach dieser wunderschön gefühlvollen Szene ist klar, daß es etwas wird mit den beiden. Doch bis zur entscheidenden Frage des Sensei „Würden Sie zum Zweck eines Liebesverhältnisses eine Beziehung mit mir eingehen?“ vergeht noch viel, viel Zeit, werden noch viele, viele köstliche kleine Mahlzeiten eingenommen und vor allem viele, viele Fläschchen Sake getrunken. Das wird niemals langweilig, man genießt den ruhigen Fluß der Erzählung und erkennt schließlich: So anders ticken die Japaner auch nicht …

 Die 51-jährige Hiromi Kawakami ist in Japan eine der bekanntesten Schriftstellerinnen.

Kawakami, Hiromi:
Der Himmel ist blau, die Erde ist weiß
Frankfurt am Main: Büchergilde Gutenberg
192 S.

Tipp von Juliane Buff

Deutscher Jugendliteraturpreis 2009

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Auf der Frankfurter Buchmesse wurde am 16.10. der Deutsche Jugendliteraturpreis 2009 verliehen.
In den Kategorien Bilderbuch, Kinderbuch, Jugendbuch und Sachbuch wurden vier Preise in Höhe von jeweils 8.000 € vergeben, außerdem der Preis der Jugendjury, ebenfalls in Höhe von 8.000 €.
Alle Bücher können in der Stadtbücherei ausgeliehen werden.

Bilderbuch:
Geschichten aus der Vorstadt des Universums von Shaun Tan, übersetzt von Eike Schönfeld, Lettering von Dirk Rehm
Illustrationen mit abwechslungsreichen grafischen Mitteln erzählen die Geschichte ohne Worte weiter. Das Buch steckt voller Überraschungen, die Kinder und Erwachsene gemeinsam entdecken können.

Kinderbuch:
Rico, Oskar und die Tieferschatten von Andreas Steinhöfel, illustriert von Peter Schössow
Rico ist „tiefbegabt“, das Denken dauert bei ihm etwas länger, er mag keine Zahlen und verirrt sich leicht. Da seine alleinerziehende Mutter viel arbeitet, erkundet er sein Berliner Mietshaus. Dass aus seinem Ferientagebuch ein Krimi und er ein Held wird, damit hätte niemand gerechnet. Ab 10.

Jugendbuch:
The Road of the Dead von Kevin Brooks, übersetzte von Uwe-Michael Gutzschhahn
Da sich die Ermitlungen zum Mord an ihrer Schwester dahinschleppen, ermitteln die Brüder Ruben und Cole auf eigene Faust. Ab 13.

Sachbuch:
Das Rätsel der Varusschlacht von Wolfgang Korn, illustriert von Klaus Ensikat
Die Ereignisse rund um die Varusschlacht (9 n. Chr.) und die Ergebnisse neuester Forschungen anschaulich und fesselnd erzählt. Ab 14.

Preis der Jugendjury:
Die Bücherdiebin von Markus Zusak, übersetzt von Alexandra Ernst
Liesel Meminger ist erst 11, als sie bereits ihren Bruder beerdigen und ihre Muttter verlassen muss. Doch ihre Pflegeeltern aus einer Kleinstadt nahe Münchens geben ihr in der düsteren Zeit des heraufziehenden 2. Weltkrieges einen, wenn auch zerbrechlichen Hort der Sicherheit und Menschlichkeit.

Deutscher Buchpreis 2009

Für ihren Roman „Du stirbst nicht“ erhielt Kathrin Schmidt den Deutschen Buchpreis 2009:

Schmidt , Kathrin:
Du stirbst nicht : Roman / Kathrin Schmidt
1. Aufl.
Köln : Kiepenheuer & Witsch , 2009
348 S. ; 21 cm
ISBN  978-3-462-04098-2 
Helene ist nach einem Hirnschlag nur knapp dem Tod entronnen. Langsam und begleitet von vielen Rückschlägen findet sie über die Stück für Stück wiederkehrenden Erinnerungen den Weg zurück ins Leben.

Wochen-Tipp: „Macho Man“ von Moritz Netenjakob

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Daniel, Anfang 30, macht Urlaub in der Türkei, um die Trennung von seiner Freundin zu verarbeiten. Er trifft dort seinen Freund Mark, der als Animateur arbeitet. Dessen Kollegin, die junge Türkin Aylin (die zufällig auch in Daniels Heimatstadt Köln wohnt), verdreht Daniel den Kopf und wirbelt ganz ungewollt Leben, Ansichten und Gewohntes durcheinander. „Das ist die Frau fürs Leben.“ weiß Daniel, aber der Weg gestaltet sich nicht ganz unproblematisch.

Daniel, der für seine Ex die Unmännlichkeit in Person war, der linkisch und unsicher ist, Frauen gegenüber alles andere als der Auftrumpher, der Macho. Aylin ist dagegen der Inbegriff von Schönheit und Anmut. Da ist Daniels Angst vor der türkischen Familie natürlich groß. In seinen Alpträumen sieht er sein Schicksal besiegelt: „…auch noch ein Deutscher. So, wir gehen jetzt auf der Stelle in die Küche und beschneiden ihn mit dem Brotmesser. Obwohl- lohnt sich gar nicht, Papa bringt ihn sowieso um.“

„Macho Man“ ist eine Liebesgeschichte der anderen Art. Die Begegnung zweier Kulturen wird schamlos witzig dargestellt und kein türkisches und auch kein deutsches Klischee bleibt verschont. Von interkulturellen Liebesgeschichten gibt es eine ganze Menge, aber diese hier ist mit ihrem Unterhaltungswert wirklich besonders: ein Autor mit gnadenlos lockerem Mundwerk, mit bewundernswerter Schlagfertigkeit und unermüdlichem Witz in jedem Satz; Situationskomik begleitet jeden Gang von Daniel, vor allem wenn er mit Aylins Bruder Cem unterwegs ist und in den „türkischen Alltag“ eingeführt wird. Ob sich das Ganze am Ende zum Guten wendet, müssen Sie selber herausfinden.

Das Buch hält auf jeden Fall einige Überraschungen bereit, ist unterhaltsam und schafft es, die kulturellen Unterschiede nicht so ernst, sondern eher aufs Korn zu nehmen.

Moritz Netenjakob: Macho Man

Köln : Kiepenheuer & Witsch, 2009

Tipp von: Susanne Atorf

„3000 Schritte durch die Literatur“ – literarischer Spaziergang am 24.10.2009

Seit März 2009 laden Bibliotheken und Buchhandlungen im Rahmen der Kampagne „Bewegung und Gesundheit“ des Bundesgesund­heitsministeriums, des Deutschen Bibliotheksverbands und des Bör­senvereins des Deutschen Buch­handels zu Lesungen, Aktionen und 3.000-Schritte-Spaziergängen ein.

Auf unserem Spaziergang stellen wir zahlreiche Motive und Vorbilder der Literatur vor, die beweisen: Leser und Schriftsteller sind keine Stubenhocker!
Also setzen wir uns in Bewegung mit Johann Wolfgang von Goethe, Friedrich Schiller und James Joyce, wir bummeln mit Mark Twain und pilgern mit Hape Kerkeling, wir spazieren mit Franz Kafka, Edgar Allan Poe und Robert Walser, wir wandern mit Otfried Preußler, Peter Härtling und Theodor Fontane, wir flanieren mit Victor Auburtin und Franz Hessel, wir machen uns auf literarische Spurensuche mit Diet­mar Grieser und gehen natürlich mit Thomas Bernhard.

 Alle, die sich mehr bewegen wollen, sind herzlich zum Spa­ziergang ein­geladen!
Die Teilnahme ist kostenlos.

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